| Die Evangelische Kirchengemeinde Ober-Roden
Bericht für die Visitation durch die Pröpstin 2008
Allgemeines und ein paar Zahlen
Die evangelische Kirchengemeinde Ober-Roden ist eine Diaspora-Gemeinde mit einer hohen Fluktuation und zur Zeit rund 3600 Mitgliedern, davon rund 200 Menschen, die sich regelmäßig ehrenamtlich in ihr engagieren. Es bestehen mehrere Neubaugebiete im Einzugsgebiet der Gemeinde, die in den letzten Jahren gerade für den Zuwachs an jungen Familien mit kleinen Kindern sorgten.
Zur Gemeinde gehören die Rödermärker Ortsteile Ober-Roden (mit den Wohngebieten Breidert, Birkenweg und Karnweg), Waldacker und Messenhausen. Die zur Gemeinde gehörende Gustav-Adolf-Kirche feierte im August 2004 ihr 75jähriges Jubiläum. Sie bietet rund 150 Menschen Platz. Desweiteren gehören zur Gemeinde ein Gebäudekomplex aus Gemeindehaus, Büro und Pfarrhaus.
Für den alltäglichen Betrieb sorgen als Hauptamtliche die beiden Pfarrer (1,5 Stellen), der Gemeindepädagoge (aufgestockt auf 0,75 Stelle), im Gemeindebüro zwei Sekretärinnen in Teilzeit, stundenweise zwei Putzkräfte, jährlich ein FSJ oder ZDL, sowie ein Chorleiter und ein Posaunenchorleiter. In der wöchentlichen Dienstbesprechung wird das Alltagsgeschäft geregelt.
Mit der Schwestergemeinde im Stadtteil Urberach besteht seit mehreren Jahren eine gemeinsame Pfarrdienstordnung, die den Synergie-Effekt der damals „3 Pfarrer für Rödermark“ in die Praxis umsetzen sollte (Vertretungsregelungen, Ressortsaufteilung, gemeinsame inhaltliche Angebote...). Obwohl diese Konstellation mit einer gemeindeübergreifenden Pfarrstelle in den letzten 1,5 Jahren nicht mehr bestand, hielten beide Gemeinden an dieser Ordnung in ihren Grundzügen fest und bewerten die engere Zusammenarbeit nach wie vor sehr positiv. Die Kirchenvorstände beider Gemeinden verbrachten mehrfach ihre Klausurwochenenden in der gleichen Tagungsstätte und tagten dabei zeitweise gemeinsam.
Diakonie
Es besteht ein Diakonieausschuss, der in enger Zusammenarbeit mit der Petrusgemeinde Urberach und der Partnerorganisation dem DW (hier vor Ort: die Brücke, psychosozialer Stützpunkt) funktioniert. Einmal im Jahr gestalten sie miteinander einen Gottesdienst. Aus diesem Kreis entstand eine „Ehrenamtsbörse“ „Ich will helfen .de“ die nun über die Stadt läuft. Ein Team von Frauen besucht auf Wunsch die JubilarInnen ab 75 Jahre zum Geburtstag. Ein kleines Team packt regelmäßig nach Bedarf Lebensmittelpäckchen, die an Bedürftige vom Pfarramt abgegeben werden können.
Ökumene
Neben der jahrelangen Tradition und intensiven Arbeit für den Weltgebetstag haben sich in den letzten Jahren die gemeinsamen Aktivitäten auf Stadtebene wesentlich ausgeweitet. Mit dem Rödermarkfestival 2007 entstand die gemeinsame Weidenkirche und ist im Sommerhalbjahr Treffpunkt für wöchentliche Andachten und Festgottesdienste. Der Arbeitskreis der örtlichen ACK sowie die Hauptamtlichen aller fünf Gemeinden treffen sich in größeren Abständen zu Austausch und Absprache.
Die ökumenische Erwachsenenbildung läuft zur Zeit etwas reduziert, Angebote der verschiedenen Gemeinden und Mitarbeiter werden gegenseitig publik gemacht.
Treffpunkte
Als niederschwelliges Angebot besonders auch für Kirchendistanzierte sind vier Mutter-Kindgruppen angeboten, die rege besucht werden.
Eine Gruppe trifft sich zum Frauenfrühstück und gemeinsamen Aktivitäten.
Es besteht ein Bastelkreis.
In den Ortsteilen Ober-Roden und Waldacker wird seit vielen Jahren ein Seniorenkreis geleitet.
Ein Bibelkreis trifft sich regelmäßig zu einem thematischen Bibelaustausch.
(Alle diese offenen Kreise werden von Ehrenamtlichen und Laien geleitet, von den Hauptamtlichen beraten und unterstützt.)
Der Kirchenvorstand
Der zur Zeit im Amt befindliche Kirchenvorstand besteht aus 14 ehrenamtlichen Mitgliedern (darunter der Vorsitzende) und zwei Pfarrern. 7 dieser Laien sind gewählte, die anderen 7 nachberufene Mitglieder, da im März 2005 die Hälfte der ursprünglich Gewählten geschlossen zurückgetreten ist. Aus diesem sehr einschneidenden Erlebnis zog das Gremium einige Konsequenzen, die sich bis heute auf seine Arbeitsweise und den Leitungsstil auswirken.
Ein Resultat dieser gezwungenen Neu-Konstituierung war die Bildung eines geschäftsführenden Ausschusses (GA). Ihm gehören der Vorsitzende und sein Stellvertreter (der geschäftsführende Pfarrer) sowie 3 weitere KV-Mitglieder an. Ihnen sind die Ressorts Finanzen, Versicherung, Bau und Personal zugeteilt, sodass es hierfür weniger an Gremienarbeit bedarf. Der GA trifft sich zur Vorbereitung der monatlichen KV-Sitzungen und zur Erledigung des Tagesgeschäfts einmal im Monat, informiert sich gegenseitig aber auch zwischendurch per e-mail. Um die Arbeit des GA transparent zu halten und das restliche Gremium in wichtige Entscheidungsprozesse auch im Vorfeld besser einzubinden, werden zu jeder GA-Sitzung im rotierenden System 2 weitere KV-Mitglieder als Beisitzer geladen. Desweiteren bestehen folgende Ausschüsse, die zum Teil mit KV-Mitgliedern, aber auch mit weiteren Ehrenamtlichen besetzt sind:
-Bauausschuß (dessen Vorsitzender ist Mitglied im GA)
-Gottesdienst- und Musikausschuß (inhaltliche Halbjahresplanung der Gottesdienste)
-Geistliche Leitung (seit 2 Jahren vor allem mit der Arbeit rund um das jeweilige Jahresthema und den dazu stattfindenden Aktionen und Veranstaltungen beschäftigt)
-Festausschuß (Vorbereitung und Organisation von Sommerfest, Mitarbeiter-Dank...)
-Fundraising-AG (begleitendes Gremium für das Projekt „Räume für Familien“ sowie Vorbereitung für die Stiftungsgründung)
-Stiftungsbeirat (beratendes Gremium der im September 2008 gegründeten Stiftung
„Lebens(t)räume“)
In jeder Sitzung gibt es ein sogenanntes Schwerpunkt-Thema, dass die ansonsten oft sehr verwaltungslastige KV-Arbeit mit inhaltlichen Themen bereichern soll.
Da die Gemeinde keinen hauptamtlichen Küster eingestellt hat, wird der Küsterdienst im rotierenden System von den KV-Mitgliedern übernommen.
® Quo vadis - die Gemeindebefragung und ihre Konsequenzen
1999 wurde nach längerer Vorbereitung eine Gemeindebefragung durchgeführt. Es ging um eine Profilerhebung der Gemeinde: Welche Menschen wohnen hier in der Gemeinde? Wie nehmen sie die Kirchengemeinde und ihre Arbeit wahr? Was erwarten sie von der Gemeinde? Was wollen sie nicht?
Auch wenn die Befragung bereits 9 Jahre zurückliegt, hat sie nach wie vor Aktualität und einige der damaligen Ergebnisse bestimmen im hohen Maße bis heute die Aktivitäten und das Profil der Gemeinde.
Die Öffentlichkeitsarbeit
Als Folge der Auswertung der Gemeindebefragung nimmt der Gemeindebrief einen wichtigen Schwerpunkt ein. Trotz Wechsel der langjährigen Hauptverantwortlichen ist eine Redaktion kontinuierlich am Werk, der GB wurde in den letzten Jahren ausgebaut und weiter verbessert, wurde auch zweimal ausgezeichnet. Eine große Anzahl Menschen helfen beim Austragen und Versand.
Es besteht eine Internetseite mit den aktuellen Terminen unter dem gleichen Namen wie der Gemeindebrief „gockel.info“.
Alle Aktivitäten der Kirchengemeinde werden gesondert plakatiert im Ort und in der Lokalpresse veröffentlicht.
Orientierung zum Leben
Viele Menschen gaben bei der Befragung an, dass sie wenig Orientierung für ihr Leben finden und den Wunsch nach der Vermittlung christlicher Werte haben. Die Aktion „atemlos-atemholen“ sowie Gesprächskreise mit sogenannten „Kirchenfernen“ waren erste Reaktionen darauf. Seit 3 Jahren beschließt der KV auf seiner Herbst-Klausur ein Jahresthema für das folgende Jahr, welches immer in einem aktuellen gemeindebezogenen Kontext steht. In diesem Jahr heißt es „Abendmahl- Essen, um zu leben“, wobei es zuerst um die Bedeutung des Abendmahls für die christliche Gemeinde geht, desweiteren um dessen konkrete Ausgestaltung im Gottesdienst. Mit verschiedenen Veranstaltungen zum Thema und Gottesdiensten mit unterschiedlichen Abendmahlsformen wird die Gemeinde eingeladen, sich aktiv einzubringen und an der Entscheidungsfindung zu einer für diese Gemeinde passenden Abendmahlskultur teilzuhaben.
Gottesdienste
72,5 % der Befragten wünschten sich „Gottesdienste, die so gestaltet werden, dass Menschen sich angesprochen fühlen“.
Die Konsequenz war eine Umstrukturierung der bisherigen Gottesdienstplanung.
- Sonntag im Monat: Familiengottesdienst gestaltet im Wechsel von zwei Teams um 11.15
- Sonntag im Monat: Traditioneller Gottesdienst um 10.00
- Sonntag im Monat: Besonderer Gottesdienst (Jugend-, Musik-, Literatur-, Film-, Gesprächs-, Frühstücksgottesdienste u.ä.) mit gleichzeitiger Kinderkirche um 11.15
- Sonntag im Monat: Abendmahlsgottesdienst
Das Angebot wird gerne angenommen, der Gottesdienstbesuch hat sich gesteigert (seit 2003 um mind. 25% besonders markant an 1. und 4.Sonntag im Monat), verschiedene Gruppen werden angesprochen. Der Ausschuss für Gottesdienste und Kirchenmusik plant die Termine.
Gottesdienste und auch weitere Veranstaltungen werden oft mitgestaltet von kirchenmusikalischer Seite, besonders durch verschiedene Organisten. Es besteht aber auch ein Kirchenchor gemeinsam mit der Nachbargemeinde Eppertshausen, ein Posaunenchor (mit Nachwuchsförderung z.Zt. 17 Bläser inkl. 4 Anfänger), ein Flötenchor und eine Band, die sich auf Anfrage trifft.
Jugendarbeit und Arbeit mit jungen Familien
Die bisherigen Angebote an Jugendarbeit wurden bei der Befragung als „positiv, aber noch zu wenig“ beschrieben, die Arbeit mit jungen Familien gar als „wenig wahrgenommen, obwohl gewünscht“. Durch mehrere Personalwechsel und infolge knapperer Kassen blieb im Laufe der Jahre der Gemeinde von der zur Zeit der Befragung noch ganzen Gemeindepädogen-Stelle, die sich 2 Kolleginnen (auch inhaltlich) teilten, nur noch eine 0,5 Stelle. Dies machte es schwer, den status quo zu halten, und fast unmöglich, noch zusätzliche Angebote zu machen. So beschloss der Kirchenvorstand 2004 eine Stellenaufstockung des gemeindepädagogischen Dienstes auf eine 0,75 Stelle. Die Aufstockung sollte für eine gewisse Zeit aus den gemeindeeigenen Rücklagen finanziert werden, auf Dauer sollte aber eine andere Finanzierungsmöglichkeit gesucht werden. Ein erster Schritt hierzu war das Fundraising-Projekt „Räume für Familien“, ein weiterer die Gründung der Stiftung „Lebens(t)räume“.
Die Jugendarbeit der Gemeinde knüpft an die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden an und versucht Jugendlichen Räume zu eröffnen, die ihnen selbstbestimmte Aktivitäten in der Gemeinde ermöglichen. Das Konzept der Konfirmanden-Arbeit wurde lang und intensiv erarbeitet und war immer wieder ein Thema im Kirchenvorstand.
Der Schwerpunkt des gemeindepädagogischen Engagements liegt in der Einbindung von Jugendlichen in ehrenamtliche Aktivitäten, wie z.B. Kinderbibeltage, Kinderkirche, Jugendgottesdienste uvm. Jugendarbeit wird dabei verstanden als eine sinnstiftende Bildungsarbeit, die die einzelnen Jugendlichen mit ihren Fragen und Anliegen, mit ihren Fähigkeiten und ihrem Potenzial im Blick hat.
Unter dem Titel „Räume für Familien“ gestaltet die Gemeinde ihre Arbeit mit Kindern und Familien unter besonderer Berücksichtigung der Gegebenheiten vor Ort und orientiert sich an der Lebenswelt der Familien. Im Mittelpunkt stehen derzeit vorallem kommunikative Angebote, wie z.B. die Eltern-Kind-Gruppen und spirituelle Angebote, wie der jährlich stattfindende Spielplatzgottesdienst und die monatlichen Familiengottesdienste, Kinder und Eltern an christliche Perspektiven in Bezug auf wichtige Fragen des Lebens und des Glaubens heranführen wollen.
Mit der Stiftungsgründung soll die Arbeit der Gemeinde für die Menschen vor Ort und vor allem um den intergenerativen Aspekt erweitert werden. Neben der Begeisterung von Menschen für die traditionellen kirchlichen Aufgaben will Gemeinde im kommunalen Raum etwas bewegen und Menschen miteinander verbinden.
Die Stiftung
Eine veränderte Gesetzeslage gibt der Gemeinde die Möglichkeit, ein bisher „totes“ Kapital zum Leben zu erwecken. Ein gemeindeeigenes Grundstück im Wohngebiet Breidert, das ursprünglich für ein weiteres Gemeindezentrum gedacht war, welches aber schon seit Langem nicht mehr zur Diskussion steht, soll nun veräußert werden. Der Ertrag aus diesem Verkauf wird dann als Kapitalstock in eine Stiftung kirchlichen Rechts eingehen.
Am 28.September 2008 wurde diese Stiftung mit dem Namen „Lebens(t)räume“ offiziell gegründet. Der Verkauf des Grundstückes ist für das Jahr 2009 zu erwarten. Allein mit dem sich daraus ergebenden Zinsertrag wird es dann möglich sein, die bestehende gemeindepädagogische Arbeit weiter zu finanzieren. Darüber hinaus sollen Zustifter gewonnen werden, um das Kapital zu vergrößern und weitere schon konkret angedachte Projekte anbieten zu können. Eingehende Spenden werden direkt dem Verwendungszweck zugeführt und dienen so der Umsetzung dieser Projekte. Diese stehen alle unter dem Motto „Begegnung und Miteinander der Generationen“. Die Gemeinde möchte ein Raum für generationenübergreifende Angebote bieten, das bisherige Nebeneinander in ein Miteinander verwandeln. Die drei bereits konzipierten Projekte beinhalten Freizeit- und Begegnungsangebote ebenso wie konkrete Hilfen.
Mehr Informationen über die Ev. Kirchengemeinde Ober-Roden unter:
www.gockel.info (inkl. Gemeindebrief-Archiv)
www.familiengockel.de
www.lebens-t-räume.info
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