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Frankfurter Rundschau
(Freitag, 16.01.2004)

Online-Portal soll den Schatz der 7000 in Rödermark heben
Die evangelische Kirchengemeinde in Ober-Roden hat eine Anlaufstelle für die Vermittlung ehrenamtlicher Arbeit geschaffen/ Pilotprojekt für den Kreis Offenbach
Ein Schatz von 7000 möglichen ehrenamtlichen Helfern schlummert in Rödermark. Das Portal www.ich-will-helfen.de soll ihn heben. Erfunden hat's die evangelische Gemeinde in Ober-Roden.
VON BARBARA SIMON

Rödermark · 15. Januar · Wie findet man ehrenamtliche Helfer? Ganz einfach, man verkündet öffentlich, was man will und wie diese Arbeit genau aussehen soll. "Wir haben es selbst ausprobiert und in unserem Gemeindebrief zwei Stellen ausgeschrieben", berichtet der evangelische Pfarrer Matthias Welsch. Gesucht und kurz darauf gefunden wurden eine Person für den kirchlichen Besuchsdienst und ein Austräger für den Gemeindebrief. Welsch fühlt sich damit in seiner Theorie der Hemmnisse für ehrenamtliche Arbeit bestätigt: "Das ist vor allem ein Kommunikationsproblem!"

Für den Theologen und Kommunikationswirt aus Ober-Roden gilt es in Rödermark einen Schatz zu heben: "Es müsste hier ein Potential von 7000 Leute geben, die an ehrenamtlicher Arbeit interessiert sind", schätzt der Pfarrer. Auf diese unglaubliche Zahl kam Welsch mit seinen Mitarbeitern durch eine bundesweite Statistik im Vorfeld der Planungen zum Rödermärker Online-Portal www.ich-will-helfen.de.

Initiiert wurde die Idee, ein lokales Hilfenetz aufzubauen, jedoch durch eine harmlose Anfrage im Gemeindebüro. Eine Frau wollte gerne im Behindertenbereich helfen. "Wir hatten keine Idee, wie und wohin wir in Rödermark vermitteln könnten." Eine Planungsgruppe der Gemeinde schaute sich daraufhin nach anderen Vermittlungsstellen um, erkundigte sich im Seniorenbüro Winkelsmühle und beim Kreis Offenbach.

Der Gruppe fiel bei diesen Recherchen auch besagte Studie in die Hände, "die unsere Meinung über das Ehrenamt auf den Kopf stellte." Demnach liegt das Hauptproblem bei der Vermittlung nicht bei den Helfern, "sondern auf der anderen Seite." Viele soziale Institutionen und Vereine seien nicht wirklich offen und bereit für das Ehrenamt. "Es fängt schon damit an, dass die Gesuche gar nicht offen kommuniziert werden", hat Welsch auch in Rödermark beobachtet. Man erwarte wohl, dass die Helfer von selbst kommen und die Arbeit einschätzen könnten. Das sei nicht der richtige Weg. Man müsse die ehrenamtlichen Einsätze im Grunde professionell ausschreiben, die Anforderungen und Bedingungen nennen.

"Schnell war klar, dass der Kern unserer Arbeit eine intensive Öffentlichkeitsarbeit sein müsste." Also wurde nicht nur eine Internetseite konzipiert oder Broschüren an die Vereine geschickt, sondern auch parallel mit dem Ortsvereinsring, den Institutionen der Stadt und der freien Wohlfahrtspflege intensiv über das Projekt gesprochen.

Inzwischen hat sich einiges bewegt: das Portal ist seit dem Sommer online und in der Rubrik der Gesuche sind 25 Stellen für Ehrenamtliche eingetragen: So sucht der MTV Urberach eine Hilfe für den überlasteten Hausmeister, um die große Sportanlage in Schuss zu halten. Mitunter sind die Anforderungen sehr speziell: Die städtische Jugendpflege bräuchte jemanden mit Flugerfahrung oder einen Piloten für das Jugend-Projekt "Flugsimulator am PC".

Eine suchende Einrichtung in Ober-Roden ist auch die "Brücke", die an jedem Sonntagnachmittag einen Kaffeetreff für psychisch Kranke organisiert. Die Psychologin Gudrun Pfahl betont, dass der Treff immer mit einer hauptamtlichen Kraft besetzt sei, die Helfer also nie alleine die Gruppe betreuen müssten. Das Brücketeam wünscht sich für die Aufgabe Menschen, "die sich gerne unterhalten und ein offenes Ohr haben für Leute, die ansonsten wenig Kontakt haben."

"Die Experten des Kreises Offenbach sagen uns, dass 25 Angebote für den Anfang ein sehr guter Erfolg sind", sagt Pfarrer Welsch. Folglich könne das Projekt jetzt in Phase Zwei eintreten: die gezielte Suche nach Helfern. Neben den Internetseiten kommen dafür in den nächsten Wochen Handzettel unter die Leute, als Beilage in den Lokalzeitungen und dem Müllkalender. Zusätzlich können interessierte Helfer via Mail, Telefon oder schriftlich per Formular mit der Ehrenamtsbörse Kontakt aufnehmen. Wer noch unsicher ist, kann in Beratungsstunden im Gemeindebüro oder im Jugendzentrum mit den Machern sprechen .

Die Leitstelle "Ehrenamt" des Kreises Offenbach beobachtet das Rödermärker Modell aufmerksam. "Es ist ein Pilotprojekt und wird anderen Kommunen empfohlen, wenn es erfolgreich weiterläuft", berichtet Welsch. Im Vergleich zum Seniorenbüro Winkelsmühle in Dreieich setze man in Ober-Roden strikt auf Regionalisierung, "denn die Erfahrung mit den Ehrenamtsbörsen, Seniorenbüros oder Bürgerhilfen zeigt, dass die meisten Leute nur etwas in ihrem Ort machen wollen."

Wichtig für den Erfolg ist, dass die Öffentlichkeitsarbeit nicht erlahmt. Hier unterstützen Stadt, Kreis und Land mit Zuschüssen, Räumen oder personell. Für 2004 ist in der Stadt ein Runder Tisch mit Betroffenen geplant. Aktionswochen zum Thema Ehrenamt sollen den Blick auf das Projekt lenken. Für die Vereine und Institutionen will Welsch außerdem Fortbildungen anbieten, um ihnen Unsicherheiten zu nehmen: "Wie werden Ehrenamtliche versichert? Wie hoch sollen Aufwandsentschädigungen sein? Da sind noch viele Fragen offen."

www.ich-will-helfen.de, Hotline: mittwochs, 10 - 11 Uhr, donnerstags, 10 - 11 Uhr, Tel. 0 60 74 / 3 01 77 56.

 

Offenbach-Post
(Freitag, 16.01.2004)

Börse für Helfer und Leute, die Hilfe benötigen
Initiative von evangelischer Kirche und Stadt will beide zusammenbringen / Stärkung des Ehrenamtes ist ein wichtiges Ziel

Ober-Roden (lö) - Nils Ahlgrimm hat dienstagnachmittags und am Wochenende Zeit, um anderer Leute Hunde auszuführen oder "etwas für den Wald zu tun". Verena Heschler kann pro Woche drei bis vier Stunden abzwacken, um ältere Menschen zu Terminen zu fahren oder ihnen beim Einkaufen zu helfen. Der Schüler und die Hausfrau sind zwei von bislang zehn Rödermärkern, die auf der Internetseite "www.ich-will-helfen.de" ihre "Dienste" anbieten. Auch Exoten wie Laura Nossing, die Kindern das Rhönrad-Turnen beibringen möchte, oder Birgit Gursky, die ihre Fähigkeiten über eine Partei einbringen will, findet man dort.

Ihnen gegenüber stehen über 30 Vereine, soziale Organisationen, Initiativen und Privatpersonen, die Hilfe auf allen möglichen Gebieten suchen. Die Spanne reicht vom MTV Urberach, der Hobby-Gärtner für seine Außenanlagen sucht, bis zur Fraternität der Behinderten und Langzeitkranken, auf deren Wunschzettel Begleiter für Theaterbesuche oder Reisen stehen.

"Ich will helfen" will sie zusammenbringen. Ober-Rodens evangelischer Pfarrer Matthias Welsch hatte die Initiative mit Unterstützung der Stadt im Frühjahr vorgestellt, um das Ehrenamt weiter zu fördern. Grundlage war eine Studie des Bundesfamilienministeriums , die zwei Dinge festgestellt hatte: Fast jeder vierte Deutsche - in Rödermark also fast 7 000 Menschen - ist bereit, sich freiwillig zu engagieren. Doch weil er nicht weiß, wo er gebraucht wird und wie er gegebenenfalls versichert ist, lässt er die Finger davon.

In einer ersten Phase fragte die Initiative zunächst bei Vereinen, Kirchen und anderen Verbänden nach dem Bedarf an Hilfe. Welschs erstaunliche Erkenntnis: "Dies scheint trotz allen Lamentos über die fehlenden Ehrenamtlichen nicht ganz einfach gewesen zu sein. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis zumindest einige Anfragen formuliert waren." War‘s Skepsis gegen das Internet? Oder war‘s Furcht, sich vor der Konkurrenz bloß zu stellen? Pfarrer Welsch, der auch Kommunikationswirt ist, fand noch keine Antwort auf diese Frage.

Mit Ausschreibungen dieser Art - zuvor noch klassisch im gedruckten Gemeindebrief - hat er jedenfalls gute Erfahrungen gemacht: Diverse Tätigkeiten innerhalb der Kirchengemeinde konnten so an den Mann oder die Frau gebracht werden. Und auch Elisabeth Butnen, Evelyn Ostoike und Petra Bürgam, die die Büroarbeit von "Ich will helfen" übernehmen, meldeten sich nach einer solchen "Anzeige".

Im Dezember hatte die Initiative Broschüren in ganz Rödermark verteilt. Das weckte das Interesse an "Ich will helfen". Noch im alten Jahr klickten rund 300 Neugierige die Internetseite an, im Januar zählte Welsch bis gestern mehr als 200 Zugriffe.

Wer nicht ins Internet gehen will, kann sich mittwochs (10 bis 11 und 17 bis 18 Uhr) sowie donnerstags von 10 bis 11 Uhr unter Tel.: 06074 3017756 über "Ich will helfen" informieren. Sprechstunden hat das Beraterinnen-Trio mittwochs von 17 bis 18 Uhr im evangelischen Gemeindebüro in der Rathenaustraße und donnerstags von 10 bis 11 Uhr im ehemaligen Feuerwehrhaus von Ober-Roden.

Nach Ansicht von Hans Lucas (Leitstelle "Älter werden" des Kreises) könnte das Rödermärker Modell zu einem Pilotprojekt für den ganzen Kreis werden.

 

Evangelische Kirchenzeitung
(Nr. 42, 20.10.2002, Seite 19)

"Kirchengockel" wird zum Weltstar
Gemeindebrief und Homepage haben in Ober-Roden jetzt noch mehr gemeinsam

OBER-RODEN (ekz). Was gut ist, kann noch besser werden. So dachte die Kirchengemeinde Ober-Roden und gab ihrer Öffentlichkeitsarbeit ein gemeinsames Profil: ein Name, eine Optik und ein Logo.

Quicklebendig ist er, zumindest auf der Homepage. Der Gockel, das Maskottchen der Kirchengemeinde Ober-Roden. Unter www.gockel.info animiert er durch sein munteres Springen die Besucher, eine der vielen virtuellen Türen zu öffnen: Informationen zu den Gemeindegruppen, den Gottesdiensten und der Seelsorge verbergen sich dahinter, aber auch aktuelle Informationen und Unerwartetes: Der "Gockel-Test" nimmt die Restaurants am Ort unter die Lupe und gibt Tipps, wohin man gehen kann, wenn man mal keine Lust zum Kochen hat.
Seit 1998 sind die Ober-Rodener im Internet. Damals war das für eine Kirchengemeinde noch keineswegs selbstverständlich. Im Jahr darauf wurde eine umfangreiche Gemeindebefragung durchgeführt. Die Teilnehmer gaben dabei auch über ihre Mediennutzung Auskunft. Damals griffen nur 2 Prozent auf das Internet-Angebot zurück. Das hat sich mittlerweile geändert. Mit rund 2000 Besuchern im Monat ist die Homepage zu einem viel gelesenen Medium geworden.

Unangefochten an der Spitze stand 1999 der Gemeindebrief. 85 Prozent der Befragten gaben an, ihn regelmäßig zu lesen. Eine eindrucksvolle Bestätigung für den klassischen Weg, Informationen aus der Gemeinde zu den Menschen zu bringen. Und die Verantwortlichen geben sich Mühe mit ihrem Blatt. Neben den gewohnten Informationen wird auf mehreren Seiten ein aktuelles Thema behandelt, das den Horizont über die Ortsgemeinde hinaus erweitert. So beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe mit dem Pflegenotstand. Schon vor drei Jahren wurde der Ober-Rodener Gemeindebrief mit dem Propsteipreis der Landeskirche ausgezeichnet.

Auf den Lorbeeren ausruhen wollten sich die Ober-Rodener indes nicht. Und so wurde jetzt der nächste Schritt vollzogen. Homepage und Gemeindebrief sind eng zusammengerückt. Ein gemeinsamer Name, "gockel.info", soll deutlich machen: hier handelt es sich um zwei sich ergänzende Angebote.
Viele der Inhalte sind ohnehin deckungsgleich. Um diese Gemeinsamkeit sichtbar zu machen, wurde das Layout verändert. So gibt es auch im Gemeindebrief nun eine Navigationsleiste am Rand der Seite. Hier finden sich kurze Zusatzinformationen zu den Texten oder entsprechende Hinweise auf die Homepage. Immer dabei: der Gockel als Logotier der Kirchengemeinde. Auch seinen Weg vom Hühnerhof zum Weltruhm kann man jetzt nachlesen – auf Papier oder dem Bildschirm, ganz wie es beliebt.
Bild aus Kirchenzeitung
Aufgeschlossen, lebendig und weltoffen präsentiert
sich die Kirchengemeinde im Internet
Foto: homepage

 

Offenbach-Post
(Donnerstag, 3. Oktober 2002)

Evangelische Gemeinde mit "Gockel Infos"

Bild aus Offenbach-Post
Von links drei Mitglieder der sechsköpfigen Internetredaktion:
Christine Ziesecke, Pfarrer Matthias Welsch und Thilo Weber.
Foto:ey

Ober-Roden (ey) Der Gemeindebrief und die Internetseite der Evangelischen Kirchengemeinde Ober-Roden warten mit einem neuen Erscheinungsbild auf. Um deutlich zu machen, dass beide Produkte nicht nebeneinander, oder gar gegeneinander existieren, sondern sich vielmehr in der Öffentlichkeitsarbeit ergänzen, wurde das Layout angeglichen.Ein gemeinsamer Name soll deutlicher machen, dass es sich um Informationen der Evangelischen Kirchengemeinde handelt. Die Internetseite ist fortan nicht mehr nur unter der bisherigen Adresse www.dike.de/Gemeinde-Ober-Roden zu erreichen. Hinzu kommt die deutlich leichter zu merkende und in Anlehnung an das Logotier der Gemeinde reservierte Domain www.gockel.info.Auch der Gemeindebrief, in der Vergangenheit von einem Teil der Leser sowieso schon als "Gockel-Blättchen" tituliert, wird künftig mit dem Untertitel gockel.info ausgeliefert.Inhaltlich hatte der Gemeindebrief bereits in den vergangenen drei Jahren eine Wandlung durchgemacht und sich von einem reinen Mitteilungsblatt rund um das Gemeindeleben zu einem kleinen Magazin weiterentwickelt. Neben den gewohnten Informationen wird mittlerweile ein aktuelles, meist regionales, Thema ausführlich behandelt. Auch im neuen Layout sind wichtige Indetifikationspunkte, wie die gelbe Einbandfarbe und das handliche Format, erhalten geblieben. Während 1999 bei der Gemeindebefragung lediglich zwei Prozent der Befragten angaben, regelmäßig die Homepage der Kirchengemeinde zu besuchen - den Gemeindebrief lasen 85 Prozent der Befragten - hat sich die Internetseite mitlerweile zu einem vielbeachteten Projekt entwickelt. Knapp 2000 Besucher registrieren die Macher der sechsköpfigen Internetredaktion im Monatsdurchschnitt. Das ist in etwa so viel, wie auch die offizielle Webseite der Stadt Rödermark zu verzeichnen hat, worauf Matthias Welsch nicht ohne Stolz hinweist. Die Gemeindemitglieder können sich nicht nur in Rödermark, sondern auch auf Reisen über Neuigkeiten aus der Gemeinde informieren. Paradebeispiel Ein Gemeindemitglied, das die kalte Jahreszeit in Kalifiornien verbringt, meldet sich aus Übersee über das Internet zur kommenden Seniorenfreizeit an.Neu ist nach der Überarbeitung vor allem der Kopf der Seite mit den Gesichtern von Gemeindemitgliedern, der damit den Leitsatz der Kirchengemeinde "Wir sind eine aufgeschlossene, lebendige, auf den Menschen bezogene Gemeinde" symbolisieren soll. Über 200 Seiten stehen mittlerweile im Internet und informieren "über so ziemlich alles", so die Redaktionsmitglieder Christine Ziesecke und Matthias Welsch, was im Gemeindeleben von Belang ist.Von wichtigen Terminen, über die Vorstellung der einzelnen Gruppen bis hin zu geschichtlichen Daten über die Gemeinde bleiben nur wenige Fragen offen. Bekannt ist mittlerweile unter anderem auch der Gockeltest, bei dem die Internetredaktion Restaurants in der Region kritisch unter die Lupe nimmt. Auch die Predigten von Matthias Welsch sind zu besichtigen.Meist können die Texte sogar schon vor der sonntäglichen "Uraufführung" in der Kirche auf der Internetseite eingesehen werden.

 

Evangelische Kirchenzeitung
(Nr.14 8.4.2001 - Gemeindereport)

Fünf Gockel für die Pasta
Kirchengemeinde in Ober-Roden sucht via Internet Kontakt

OBER-RODEN. Bereits seit 1998 ist die Evangelische Kirchengemeinde Ober-Roden im Internet vertreten. Nutzer können sich sowohl über Glaubensfragen und das Gemeindeleben informieren als auch über das Wetter oder das Kinoprogramm.
Von Renate Haller

Viele Türen stehen in der Kirchengemeinde in Ober-Roden offen. Eine führt zu den Gottesdiensten, eine zur Seelsorge und eine weitere zum Gästebuch der Gemeinde. Um dort einen Gruß oder eine Anmerkung los zu werden, muss niemand in den Stadtteil von Rödermark im Südosten von Frankfurt fahren. Das Gästebuch ist Teil des Internetauftritts. Seit 1998 ist die rund 3600 Mitglieder zählende Gemeinde im weltweiten Netz vertreten und gehört damit zu denjenigen, die den Nutzen des neuen Mediums recht früh für sich erkannt haben.
"Wir hatten einfach Lust darauf, das Medium kennen zu lernen", erinnert sich Christine Ziesecke, in der Gemeinde zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam mit Thorsten Behrens, Student und Kirchenvorstandsmitglied, sowie dem damaligen Pfarrer Christoph Gerken hat sie sich angesehen, was hinter DIKE steckt, dem Digitalen Informations- und Kommunikationssystem der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Über DIKE können sich Interessierte fortbilden und sie können ihre Homepages ins Datennetz stellen.

Bild aus Kirchenzeitung
Vater und Sohn am
Bücherstand beim
Sommerfest in der Gemeinde.


Bei einem gemeinsamen Frühstück habe man das Deckblatt für den Internetauftritt entworfen. "Wir waren ja absolute Laien", sagt die Öffentlichkeitsfrau. Ihr Geständnis in allen Ehren: Dem Internetauftritt der Gemeinde ist das nicht anzumerken. Unter "www.dike.de/Gemeinde-Ober-Roden" finden sich gut untergliederte Seiten. Sie bauen sich schnell auf, sind übersichtlich gestaltet und es gibt zahlreiche Querverbindungen zu anderen Einrichtungen.
Die Nutzer können Fragen per E-Mail stellen oder die Taufe ihres Kindes elektronisch anmelden. Mit diesen "Rückspielmöglichkeiten" versuche die Internetredaktion einen direkten Kontakt zu den Gemeindemitgliedern zu ermöglichen, erklärt Christine Ziesecke. Ein "Fluchtweg", der direkt zum Papst führt, sei allerdings eher spaßig gemeint. Predigten, Taufsprüche und Neuigkeiten aus dem Gemeindeleben - hinter den Türen auf der Startseite verbergen sich eine ganze Reihe von kirchen- beziehungsweise gemeindeinternen Themen.
Das Angebot reicht allerdings weit über den eigenen Kirchturm hinaus. Wer will, kann sich das Wetter speziell für Rödermark vorhersagen lassen, kann nachlesen, was im Kino läuft, wann der nächste Zug nach Hamburg fährt oder kann - rein virtuell versteht sich - bei den legendären "Rodgau Monotones" vorbeischauen. "Wir haben mit den Menschen zu tun, die hier leben", sagt Pfarrer Matthias Welsch. Und zum Leben gehöre nun einmal nicht nur die Kirche.
Was ganz sicher dazugehört, ist das Essen. "Gockeltest" heißt die Rubrik, die Auskunft gibt über Service, Küche und Preis-Leistungs-Verhältnis der Restaurants, in denen die Internetredaktion monatlich ihre Treffen organisiert. Fünf Gockel sind das Höchste, was die sechs Mitglieder starke Redaktion für Pizza und Pasta zu vergeben hat.

Bild aus Kirchenzeitung
In lauschiger Laube: Die Mitglieder
der Internet-AG beim "Gockeltest".


Kneipenkritik auf einer kirchlichen Internetseite? "Warum denn nicht?" fragt Pfarrer Welsch zurück. Drei Fragen hätten direkt zum "Gockeltest" geführt: Wie organisieren wir unsere Sitzungen, wie nehmen wir unser Lebensumfeld wahr und wie erreichen wir Menschen, die nicht unbedingt nach Glaubensinhalten suchen?
Der Erfolg gibt den Internetmachern recht: Sie selbst haben viel Spaß an ihren Sitzungen - Ziesecke: "Wir haben schon manches Lokal leer gelacht" - und die Rubrik wird gelesen. Sie habe einmal eine Anfrage von einem Leser aus Frankfurt bekommen, der sich nach den Tipps der Redaktion für ein Lokal entschieden hat. Da ihm die Bewertung gefiel, hat er vor dem nächsten Restaurantbesuch gleich direkt bei Christine Ziesecke um Rat gefragt.
Rückmeldungen bekommt auch der Pfarrer bei seiner Arbeit. Immer wieder wird er bei Tauf- oder Traugesprächen auf das Internetangebot angesprochen. "Das hätten wir von einer Kirchengemeinde gar nicht erwartet", heißt es dann zustimmend. Welsch: "Mit dem Medium erreichen wir eine andere Zielgruppe als mit dem Gemeindebrief."

Bild aus Kirchenzeitung
Zirzensische Künste: Der Zirkus
Rambazamba tritt im Hof der
Ober-Röder Gemeinde auf.


Aber auch der geht über das Übliche hinaus. Nachdem eine Gemeindebefragung ergeben hatte, dass die Menschen in den kirchlichen Angeboten zu wenig Orientierung für ihr Leben finden, wird der Gemeindebrief nun genutzt, um diese zu bieten. "Wir informieren nicht nur über Gemeindeinterna, sondern beziehen Stellung zu ausgesuchten Themen", sagt Pfarrer Welsch. Dem Flughafenausbau wurde ebenso Platz eingeräumt wie den Ladenöffnungszeiten in Rödermark oder dem, was den christlichen Glauben ausmacht. Seitdem, so Christine Ziesecke, gibt es auch auf den Gemeindebrief viele Reaktionen. Reagiert haben die Öffentlichkeitsarbeiter auch auf die Tatsache, dass die kinderlosen Menschen zwischen 30 und 50 Jahren zwar die Hauptzahler der Kirchensteuer sind, aber die wenigsten Anknüpfungspunkte zur Kirche haben. Innerhalb von zwei Jahren soll nun bei allen mindestens einmal das Telefon klingeln und Post von der Gemeinde im Briefkasten sein.
In der ersten Runde wurden 40 Menschen angerufen und zu einem Gespräch über Gottesdienste eingeladen. Teilgenommen hatten 13, die an zwei Abenden so gut miteinander ins Gespräch kamen, dass ein Konzept für offene Gesprächsabende entwickelt wurde. Im April geht es um Gebete. "Wir haben den Eindruck", so Pfarrer Welsch, "dass die Menschen mit Glaubensthemen durchaus ansprechbar sind - wenn es gut gemacht wird."

ZUR SACHE
Insgesamt 1373 Besucher hat die Statistik im Januar auf den Seiten der Gemeinde Ober-Roden gezählt. Bereits 1000 Besucher im Monat wertet Pfarrer Hans Rumpeltes von DIKE, dem Digitalen Kommunkations- und Informationssystem der hessen-nassauischen Kirche, als ein gutes Ergebnis. Nach seiner Erfahrung gibt es überall dort hohe Zugriffszahlen, wo Predigten zu finden sind. Von den gezählten 1373 Besuchern in Ober-Roden waren allerdings nur 161 wegen der Predigten gekommen. Mitte Februar registrierte die Internetredaktion bereits 1285 Besucher für diesen Monat, davon 95 auf einer Predigtseite. Daran, so Pfarrer Matthias Welsch, werde deutlich, dass gerade das übrige Angebot viele Besucher anlocke.


Frankfurter Rundschau (Lokal-Rundschau) vom 07.07.2000:
(Der Text ist der Online-Version entnommen, das Bild der Printversion)

Fluchtweg zu Papst Johannes Paul offen gelassen Kirchengemeinde in Ober-Roden schlägt mit ihrer Homepage Rekorde / 5550 User allein im Mai registriert

Von Anja Laud

Mit ihrer Homepage bricht die evangelische Kirchengemeinde Ober-Roden Rekorde. Bei ihrem Start im Juni 1999 gingen gerade mal 352 Nutzer auf die Internetseite. Im Mai diesen Jahres waren es über 1400. Die meisten klickten die Taufsprüche und die Predigten des Gemeindepfarrers an.

RÖDERMARK. Ein Hahn hüpft auf der Homepage wie ein Flummi auf und ab. So quirlig wie das Wahrzeichen der 3555 Mitglieder großen Kirchengemeinde ist auch ihr Auftritt im Worldwide Web. "Wir haben bei unseren Redaktionskonferenzen immer sehr viel Spaß", sagen Christine Ziesecke und Thorsten Behrens, zwei der insgesamt fünf Mitglieder der Internet-Redaktion der Gemeinde. Der Spaß, den sie haben, ist ihrem Produkt anzumerken.
Unter der Adresse www.dike.de/Gemeinde-Ober-Roden können sich Internet-User nicht nur über aktuelle Termine und Veranstaltungen der Gemeinde informieren. Sie erfahren auch, was sich in der Gemeinde gerade so tut, wer ihre Ansprechpartner sind, wenn sie beispielsweise eine Trauung oder Taufe anmelden wollen und welche Voraussetzungen sie dafür erfüllen müssen. Mit wenigen Mausklicks können sie außerdem einen Newsletter abonnieren, der sie über aktuelle Geschehnisse in der Gemeinde auf dem Laufenden hält. Auch praktische Lebenshilfe bekommen sie. Etwa wie sich durch Atemübungen im Alltag neue Kraft schöpfen lässt.
"Auf der Homepage wollen wir uns nicht nur selbst als Gemeinde darstellen. Wir wollen vor allem mit den Menschen in Kontakt treten", sagt Christine Ziesecke. Das gelingt den Ober-Rödern. Über 5550 User gingen bereits in diesem Jahr auf ihre Homepage. Einige hinterließen im Gästebuch einen Eintrag - meistens ein Lob zum Internet-Auf tritt der Gemeinde.
Dabei sind die Internet-Redakteure keineswegs Profis. "Als wir vor drei Jahren die Internet-AG ins Leben riefen, wussten wir gerade mal wie ein PC aussieht", erinnert sich die Öffentlichkeitsreferentin. "Wir haben uns im Laufe der Zeit alles selbst erarbeitet", bestätigt ihr Kollege Thorsten Behrens. Alle vier Wochen treffen sich die Redaktionsmitglieder, darunter auch Pfarrer Matthias Welsch, und sprechen darüber, was aktualisiert werden muss und wie das Angebot auf der Homepage erweitert werden kann.
Treffpunkt ist immer irgendein Restaurant in oder um Ober-Roden. Über die Qualität des Services und des Essens informieren die Fünf gleich in ihrem "Gockeltest", bei dem sie je nach Güte eins bis fünf Gockel vergeben. Auch das Weltliche hat eben auf ihrer Homepage Platz. Links führen deshalb unter anderem auch auf die Homepage der Stadt Rödermark, des Rhein-Main-Verkehrsverbunds und der Neuen Lichtspiele mit ihrem aktuellen Kinoprogramm. Am häufigsten aber werden die Taufsprüche und die Predigten von Pfarrer Matthias Welsch angeklickt.
"Eltern, die einen Taufspruch für ihr Kind suchen, kommen über eine Suchmaschine auf unsere Seite", weiß Thorsten Behrens. Die Predigten sehen sich dagegen oft Pfarrer an, die wissen wollen, worüber Kollegen in anderen Städten und Bundesländern sonntags so predigen. Sie gehen gezielt auf den Server der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und landen dann bei den Ober-Rödern.
Einen Link zu dem lieben Gott haben die zwar noch nicht. Für Internet-Nutzer, die vom Blättern in den Internetseiten der Gemeinde genug haben, haben sie aber einen besonderen Fluchtweg parat: Er führt sie direkt nach Rom zur Homepage von Papst Johannes Paul II.

Bild aus Frankfurter Rundschau

Copyright © Frankfurter Rundschau 2000
Dokument erstellt am 06.07.2000 um 21:09:33 Uhr
Erscheinungsdatum 07.07.2000


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