Chronik

75 Jahre Evangelische Kirche Ober-Roden
Kirchenjubiläum
Mittwoch Abend: Lila-weiße Luftballons über der Kirchentür und weit über 80 Menschen, zum Teil von weit her angereist, in der schwül-warmen Kirche – mehr als ungewöhnliches Szenario zur besten Urlaubszeit, trotz Olympia und deutschem Fußballländerspiel. Der Grund war ein ganz besonderer: Genau vor 75 Jahre, am 18. August 1928, wurde die evangelische Kirche in Ober-Roden eingeweiht. Bis dahin waren evangelische Christen der Mutterkirche in Dudenhofen zugeordnet oder trafen sich im alten Betsaal im heutigen Rathaus.
Diese Kirche wurde den evangelischen Christinnen und Christen seither ein Zuhause. Sie gehört zu der Geschichte vieler Menschen hier in Ober-Roden dazu.
Daran dachten die Besucher der Andacht anlässlich des Kirchengeburtstags voller Dankbarkeit zurück.
Pfarrer Dr. Frank Fuchs, der die kleine Feierstunde gestaltete, begrüßte ganz besondere Gäste, so etwa Karl Post, der als einziger die Feier vor 75 Jahren miterlebt hat und schon beim Sommerfest der Gemeinde sowie im letzten Gemeindebrief lebhaft aus den Anfängen erzählt hat.
Weiterhin begrüßte Pfarrer Fuchs einige seiner Vorgänger: Pfarrerin Ingrid von Nordheim, die in dieser Kirche von 1991 bis 2000 gewirkt hat und jetzt aus gesundheitlichen Gründen im Ruhestand ist. Zu Gast war auch Pfarrer Werner Wendeberg, der von 1974 bis 1979 die Pfarrstelle in Ober-Roden inne hatte und heute Gefängnisseelsorger in Darmstadt ist; er hatte damals sehr zur heutigen Gestaltung dieser Kirche beigetragen. Auch Pfarrer Wolfgang H. Weinrich war für einen Abend an seine alte Wirkungsstätte zurück gekommen, wo er von 1981 bis 1988 die Geschicke der Gemeinde mitbestimmte. Pfarrer Weinrich ist heute Kirchenrat bei der EKHN in Darmstadt und dort Projektleiter für Kommunikation und Marketing.
Pfarrer Christoph Gerken hatte Grüße aus dem Urlaub geschickt; Pfarrer Matthias Welsch weilt noch im Studienurlaub.
Kirchenjubiläum
von links: Pfr. Dr. Frank Fuchs, Pfarrerin i.R. Ingrid von Nordheim (1991 – 2000 Pfarrerin in ORo), Karl Post ( ehem. Kirchenvorsteher und der einzige anwesende Zeitzeuge der „Kirchengeburt“ vor 75 Jahren), Pfarrer Werner Wendeberg (1974 – 1979 Pfarrer in ORo), Willi Böllert (langjähriger ehem. Kirchmeister der Gemeinde, der im Gottesdienst von den baulichen Veränderungen in den 75 Jahren erzählte); Pfarrer Wolfgang H. Weinrich (1981 – 1988 Pfarrer in ORo).

Darüber hinaus begrüßte Pfarrer Fuchs besonders den langjährigen Kirchmeister der Gemeinde, Willi Böllert, der bei den Renovierungsarbeiten zum 50jährigen Jubiläum Vorsitzender des Bauausschusses war und den er in der Andacht dazu befragte, wie es zur Kirchenrenovierung vor 25 Jahren kam und welche Renovierungsarbeiten durchgeführt wurden. Willi Böllert wusste vieles zu erzählen rund um die Veränderungen an dieser Kirche, die den 2. Weltkrieg überstanden hatte. Besonders die wechselhafte Geschichte der Inschrift über dem Altar interessierte die Besucher.
Wer die Kirche betritt, dessen Blick wird immer wieder auf die Mitte gelenkt, auf die Schrift an der Wand. „ Siehe, ich bin bei euch alle Tage“ - die Worte des auferstandenen Christus, wie sie nach dem Matthäusevangeliums überliefert sind und in denen sich die Liebe Gottes zu den Menschen zeigt. Richtet sich der Blick weiter nach oben, kommt in einem großen Glasfenster der auferstandene Christus selbst in den Blick.
Durch die Andacht zog sich auch jener Psalm 100, unter den Pfarrer Schuster damals vor 75 Jahren seinen Einweihungsgottesdienst gestellt hatte: „ Danket dem Herrn, lobet seinen Namen. Jauchzet dem Herrn, alle Welt! Dienet dem Herrn mit Freuden!“
Dankbar blickte die Gemeinde auf das 75jährige Bestehen dieser Kirche zurück, 75 Jahre, seit diese Kirche den evangelischen Christinnen und Christen in Ober-Roden zur Verfügung steht. In dieser Zeit hat es viele Taufen in diesem Haus gegeben, viele Menschen wurden in die Gemeinde aufgenommen, viele Paare getraut. Es gab zahllose Gottesdienste; oft wurde das Abendmahl gemeinsam gefeiert. Wohl alle Gottesdienstbesucher stimmten ein in den Wunsch von Pfarrer Fuchs, dass d ie Kirche und die Gemeinde sich ihre Offenheit bewahren mögen. Offene Kirche für die Menschen, symbolisch durch die Tatsache ausgedrückt, dass ihre Türen Tag und Nacht offen stehen und die auch damit auf alle Menschen einladend wirken möge.
Gedankt wurde all jenen Menschen, die den Bau der Kirche initiiert hatten und die mit viel Energie und Mühe für ihre Vision von Kirche gearbeitet hatten. Gedankt wurde auch den Menschen, die diese Kirche über die Jahre erhalten haben, so dass wichtige Verbesserungen verwirklicht werden konnten, ohne dass der alte Charakter, noch geprägt vom Jugendstil, verloren ging. Gedankt wurde auch all jenen, die dieses Haus heute noch mit Leben erfüllen. In seiner Schlussbitte formulierte Pfarrer Fuchs dies so: „Lass uns selbst dein Haus werden, damit wir voll Vertrauen an deinem Wort fest halten und mit Freuden dir dienen, hier in diesem Haus und in der Welt.“
Im Anschluss an die Andacht waren die Besucher herzlich eingeladen, bei einem Imbiss und einem Umtrunk auf dem Kirchenvorplatz zu verweilen. Der laue Sommerabend tat das Seine dazu, dass bei Zwiebelkuchen, Wasser, Äppler und Bier eine gemütliche Biergartenatmosphäre vor der Kirche entstand; eine Anregung, die häufiger aufgegriffen werden sollte, da Kirche damit auch demonstriert, wie offen und fröhlich sie sein kann. Einladende Kirche – eine Bereicherung für alle Sinne.
Im Mittelpunkt der lebhaften Gespräche und intensiven Erinnerungen standen dann zweifellos die ehemaligen Pfarrer, die bald ganze Grüppchen um sich versammelten.
Die zum Jubiläum extra bedruckten Kirchentassen gab es zu kaufen wie auch die Kirchenchronik, die anlässlich des 70. Geburtstags der Kirche damals im Auftrag des Kirchenvorstands von Wilhelm Körner erforscht und aufgeschrieben und von Willi Böllert ergänzt und bereichert worden war. Die Chronik wurde dem langjährigen sehr beliebten Pfarrer Christoph Gerken zu seinem Abschied 1998 gewidmet.
Ein Faltblatt, vom scheidenden Pfarrer Frank Fuchs gestaltet, informierte die Gäste in Kurzform über die Geschichte und die Besonderheiten der Gustav-Adolf-Kirche, deren Namen damals den Dank für jene Gelder zum Ausdruck brachte, mit denen die Gustav-Adolf-Stiftung den Bau erst ermöglicht hatte. Der Gockel auf dem Kirchturm wurde jedoch schon seit den 80er Jahren zum Wahrzeichen der Gemeinde; er steht heute im Dienstsiegel ebenso wie als Logo für Gemeindebus, Gemeindebrief, Homepage und vieles mehr. Unter www.gockel.info kann im Internet die Chronik der Gemeinde ebenso abgerufen werden wie alles Aktuelle.
Beschlossen wurde der Abend von einem Film, der beim großen Fest anlässlich des 50jährigen Kirchenjubiläums 1978 gedreht worden war und jetzt in der Kirche für viel Wiedererkennen und Heiterkeit sorgte.
75 Jahre evangelische Kirche in Ober-Roden - ein gelungener Abend bewies, dass Glauben und Feiern sich auch für evangelische Christen nicht widersprechen und dass Gemeinschaft ein wichtiger Bestandteil von Glauben ist.



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Letzte Aktualisierung: 28.Jun.2006 thb
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