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Texte zum Thema
Atemlos,
sind die Menschen immer mehr,
alles geht schneller als je zuvor,
schneller reisen,
schneller arbeiten,
schneller essen ...,
viele kommen außer Atem
finden wenig Ruhe,
keine Zeit für Nachdenklichkeit,
kein Atem um den Sinn des Lebens zu bedenken.
Außer Atem
sind nicht nur die Menschen unserer Tage
außer Atem
gerät der ganze Planet,
weil die Atmosphäre immer Wärme wird,
die Luft zurückgedrängt durch den Energieverbrauch
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Atem holen!
Frische Luft genußvoll einatmen,
darin wird das ganze Leben spürbar,
es durchfließt den Körper mit der Atemluft.
Sich die Zeit nehmen zum Atem holen,
mit Körper und Geist,
frische Luft in das eigene Leben bringen,
dafür braucht es Raum und Zeiten,
in denen das möglich ist.
Zeit um neue Orientierung zu gewinnen,
wohin sich mein Leben bewegt,
wozu ich da bin und wo es lang gehen soll.
Der Geist Gottes ist so ein frischer Atemzug,
der das Leben neu machen kann,
mich neu zu einem erfüllten Leben orientiert.
Er weht wo er will,
aber es braucht Räume zum Atem holen,
damit ich ihn wahrnehmen kann.
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Wir laden ein, solche Räume im kommenden
Jahr gemeinsam zu entdecken in der evangelischen Kirchengemeinde. Neuen
Lebensatem miteinander gewinnen und sich wieder orientieren können
im Leben, darum soll es gehen.
Wir starten eine Kommunikationsinitiative, weil solche Räume des
Atem holens im Gespräch und im gemeinsamen Tun entstehen. Weil
wir einander Orientierung geben wollen, indem wir uns begegnen. Für
solche Begegnungen wollen wir Räume schaffen. Anknüpfungspunkte
für die, die bisher wenig oder gar keinen Raum in der Gemeinschaft
haben. Raum um den frischen Atem Gottes im eigenen Leben zu spüren.
Ihr Pfarrer Matthias Welsch
Ein Gebet:
Außer Atem kommen wir Gott,
weil wir dauernd dem Erfolg hinterher rennen,
gute Noten in der Schule sind wichtig,
Erfolg im Beruf,
Geld auf dem Konto,
ein florierendes Familienleben.
Unsere Schwächen behalten wir für uns,
von denen soll keiner etwas wissen,
obwohl sie durch manche Talkshow doch schon ganz groß herauskommen.
Gott, wir wollen lernen,
es uns an Deiner Gnade genügen zu lassen,
damit wir wieder Luft bekommen, um Atem zu holen.
Abendmahlsgebet:
Ohne Ansehen der Person kommen alle Menschen Gott an Deinen Tisch, du
hast uns eingeladen vor Dir unser Leben zu bedenken,
du gibst uns Raum und Freiheit alle Zwänge hinter uns zu lassen
und in Deiner Gemeinschaft, im Leibe Christi Atem zu holen.
In dem Brot das wir Essen und dem Wein, den wir trinken, spüren
und erfahren wir Deine lebenschaffende Kraft neu in uns, wir erinnern
uns, dass wir von Deinen Gaben leben, dass uns das Leben und alles was
dazu gehört jeden Tag neu von Dir geschenkt wird.
Atemlos leben wir täglich an dieser Wahrheit vorbei und wissen
nicht wie wir dabei das wirkliche Leben verpassen.
An deinem Tisch dürfen wir die Luft des Lebens neu einatmen, das
Brot des Lebens essen und in der Gemeinschaft begreifen wozu wir das
sind. Unsere Schwächen dürfen sein unserer Erfolge müssen
wir uns nicht mehr rühmen, wir dürfen miteinander ein Stück
Himmelreich auf Erden erleben, dazu lädst Du uns auch in diesem
Gottesdienst an Deinen Tisch ein. Amen.
Atemlos Atem holen
Orientierung zum Leben
ein Motto, das uns begleiten möchte
In der Profil Arbeitsgruppe haben wir uns auch
weitere Gedanken zu unserem Motto gemacht. Acht Denkanstösse wollen
wir Ihnen zum weiteren Nachdenken mitgeben:
1. Atmen ist eine religiöse Tätigkeit
Atemholen ist eine zutiefst religiöse Tätigkeit, jedenfalls,
wenn wir uns darauf besinnen und es bewusst tun. Das Motto atemlos
Atemholen setzt uns auf die Fährte zu einer neuen Lebensorientierung.
Die Bibel versteht den Atem als Lebensatem, weil sich im Atmen das Ganze
des Lebens erschließt. Die Kraft des Lebens, die wir nicht selber
machen können, sondern die uns täglich von Neuem geschenkt
wird, ist im Atem. Er ist, weil er uns am Leben erhält, auch göttliche
Kraft. Das weiß nicht nur die Esoterik oder die chinesische Medizin,
das ist eine alte Weisheit aus der Bibel.
2. Geist und Atem
Geist und Atem liegen vom Begriff her ganz nah beieinander. Die Sprache
der Bibel unterscheidet das rein biologische Phänomen kaum vom
religiös verstandenen: Der Atem ist das göttliche Pneuma,
im Atem ist der Geist, mit dem Gott den Menschen erfüllt.
Es ist auch der göttliche Wind der den Menschen in der Schöpfungsgeschichte
zum Leben erweckt hat. Es ist die Luft, die pnoe (griechisch für
Luft, Wind, Atem), die wie ein Wind zwischen die Jünger fuhr an
Pfingsten (Apostelgeschichte 2,2) und die göttliche Luft, die uns
immer schon umgibt, die wir einatmen, ohne es zu wissen (Apostelgeschichte
17,25).
Daher war das bewusste Atmen immer schon eine religiöse Übung.
Jesus selbst übermittelt den Geist an seine Jünger, in dem
er sie anhaucht (Johannes 20,22).
3. Atemübung
Aus den östlichen Religionen sind verschiedene Praktiken bekannt,
wie bewusstes Atmen den Menschen hilft, etwa im Yoga, bei dem das Atemholen
zur Beruhigung des Denkens hilft, oder im Taoismus, in dem das anhalten
und einziehen der Luft in besonderer Weise das Einströmen der Kraft
des Tao ermöglicht. Beim Qi-Gong kommt es darauf an, dass der Atem
frei fließen kann. Bekannt sind Atemübungen bei uns auch
in verschiedenen Meditationspraktiken, z.B. beim autogenen Training.
Alle diese Formen dienen der Bewusstwerdung unserer Lebenskraft, die
wir durch den Atem erhalten.
4. Zustandbeschreibung: Atemlose Zeit
Das Gegensatzpaar atemlos Atemholen ist also einerseits
eine sicher zutreffende Zustandsbeschreibung für die Situation
in der viele Menschen unserer Zeit stecken, wobei der Zeiger bei der
Mehrzahl der Menschen auf atemlos steht.
Deshalb kennzeichnet der Gegensatz aber auch die Sinnsuche des modernen
Menschen. Die Atemlosigkeit ist synonym für die Sinnlosigkeit des
Tuns. Wer atemlos ist wird kraftlos, antriebslos, weiß nicht mehr,
wer er ist und wohin er will. Er kommt kräftig in Atemnot, zumindest
in seelische, viele auch in physisch spürbare. Nur wer schon einmal
in Atemnot gewesen ist, der weiß was für ein beängstigender
und auswegloser Zustand das ist, wie einer dann nach Luft japst ohne
ausreichend Luft zu bekommen und wie das zu einem Kampf des Überlebens
wird. Atemlosigkeit und Atemnot liegen dicht beieinander.
5. Atemlose Schöpfung
Die atemlose Zeit, in der wir leben steht deshalb in der Gefahr nicht
nur den Menschen, sondern den ganzen Planeten Erde mit atemlos zu machen.
Durch immer mehr Industrialisierung, immer mehr Produktion kommt der
Planet außer Atem, weil aus CO2 nicht schnell genug von der Lunge
der Welt Sauerstoff produziert wird. Die Wälder werden gleichzeitig
abgeholzt, die der Welt zum Atem holen dienen.
Der Weg der Atemlosigkeit kennzeichnet den Weg zum Abgrund, zur Zerstörung
des Lebens, persönlich und global.
6. Neue Kraft durch Atem holen
Atem holen ist lebensnotwendig. Für den Menschen und den ganzen
Planeten Erde.
Wer Atem holen kann, kommt zu neuer Kraft, fühlt sich wie neu geboren,
bekommt neues Leben.
7. Glaube ist Atemholen
Der Glaube ist eine Form des Atemholens. Wer bewusst atmen lernt, kommt
Gott näher, denn er merkt wie ihm die Kraft des Lebens geschenkt
wird und wie sie ihn durchfließt.
Bewusst Atemholen heißt die Kraft des Lebens in sich spüren
und damit die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens entdecken. Gottes Geist
kann durch die Atemkanäle in uns Menschen eindringen. Für
die antiken Menschen lagen die Begriffe, Geist (pneuma), Kraft (dynamis)
und Atem (pnoe/pneuma) daher ganz dicht nebeneinander und wurden auch
synonym gebraucht übrigens passt auch die Gnade (Charis)
in diese Reihe.
Die gläubigen Menschen waren für Paulus die pneumatikoi (man
könnte das mit die Atmenden übersetzen) gegenüber den
sarkikoi (Fleischlichen). Sie waren der Erlösung und dem Reich
Gottes näher als jene, denn sie hatten die Kraft Gottes in sich
entdeckt und konnten aus ihr leben.
8. Taufe heißt die Kraft Gottes atmen
In der Taufe wird den Christen das Pneuma, der Atem Gottes zuteil. Wer
getauft ist, atmet also die Kraft Gottes ein.
atemlos Atemholen ist die Einladung sich darauf zu besinnen,
dass Gott in jedem Atemzug ist. Atmen ist also eine religiöse Tätigkeit.
Das Angebot der ganzen Gemeinde, sollte deutlich erkennbar darauf ausgerichtet
werden, nicht nur durch zusätzliche Angebote, sondern vor allem
im bestehenden Angebot! Das ist die Herausforderung vor der wir stehen
wir laden daher alle Mitarbeiter/innen ein, sich aktiv daran
zu beteiligen.
Ihr Pfarrer Matthias Welsch
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