Gemeindebrief - gockel.info

Ausgabe Februar/März 2003
Thema: Nachbarschaft - die Feuerprobe des Christen

Besinnung: Der Weg in das Leben
Der Kirchenvorstand hat bei seiner Klausurtagung die Arbeit an ansprechenden Gottesdiensten als den Arbeitsbereich mit höchster Priorität für die nächste Zeit ausgemacht. Schon das Ergebnis der Gemeindebefragung von 1999 hatte uns auf das Thema hingewiesen. Menschen erwarten von unserer Gemeinde in hohem Maße, dass sie sich um ansprechende Gottesdienste bemüht (72,5% der Befragten waren dieser Meinung). Im März wollen wir neue Schritte in diese Richtung wagen, ein paar Dinge verändern und Bewährtes weiter entwickeln. Vor allem soll es eine klare Struktur für den Gottesdienstplan geben.
Als wir zusammen gesessen haben um unsere Überlegungen voran zu treiben, da war auch klar, dass es auch die traditionelle Gottesdienstform weiter geben sollte und dass sie uns sehr wichtig ist. Uns wurde zugleich bewusst, dass vielen Zeitgenossen diese Form fremd geworden ist, dass der Gottesdienstablauf seine Transparenz verloren hat. Wir wollen also den Versuch wagen, den traditionellen Ablauf intuitiv verstehbar zu machen, ihm, wenn man es in der Computersprache sagen würde eine „intuitive Benutzeroberfläche“ zu geben. Jede und jeder soll verstehen können, worum es geht. Freilich, ganz leicht ist das nicht. Der Glaube und seine Formen sind etwas, was erlernt sein will, durch Übung vertieft werden. Nur so findet man einen Zugang, kann die Tiefe der Ausdrucksform Gottesdienst erfassen. Es geht um etwas Geheimnisvolles, etwas, das uns im Alltag zumeist verborgen ist. Denn im Gottesdienst wollen wir Gott nahe kommen. Es geht darum sich mit seinem begrenzten menschlichen Sein der unendlichen, alles umfassenden Wirklichkeit Gottes zu stellen. Diese Begegnung hat, - so hat es einer meiner theologischen Lehrer immer gesagt - etwas Lebensgefährliches, weil wir selbst mit unserem ganzen Leben und Lebensentwurf in Frage gestellt werden. Weil wir uns unserer Sterblichkeit, unserer Fehlerhaftigkeit bewusst werden, wenn wir uns auf Gott einlassen.
Gottesdienst, oder Liturgie, wie wir Theologen dazu sagen, hat eine Tiefendimension, die sich erst durch immer wieder kehrende regelmäßige Wiederholung erschließt, deren heilende Wirkung sich nur so ganz entfalten kann. Das nützt allerdings nichts, wenn dem, dem diese Form fremd ist, keine Türen offen stehen, um hinein zu kommen.
Ein paar Hilfsvorstellungen können Türen öffnen. Gottesdienst will Menschen heilen, Gottesdienst will den Weg in ein gutes Leben bahnen, Gottesdienst will aus der Dunkelheit ins Licht führen. Jede Etappe des Weges hat seine Bedeutung und leitet uns auf diesem Weg. Liturgie ist dabei Kommunikation in verschiedener Hinsicht. Sie ist Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft von Menschen, die anders als sonst nicht aus Gründen gegenseitiger Zuneigung zustande kommt. Sie ist zugleich Kommunikation auf Gott hin, sucht das Gespräch mit Gott. Weil Gottesdienst Kommunikation ist, ist er auf das Mitmachen aller angelegt. Allerdings, und das fällt manchem vielleicht heute schwer, hat das Mitmachen für alle Beteiligten: Gemeinde, Pfarrer, Organist einen vorher festgelegten Rahmen. Jeder weiß im Voraus, wann er was sagen oder tun soll. So kann das gemeinsame Gehen des Weges ohne vorherige Absprache funktionieren. Wer sich auf den Weg einlassen kann, der geht getröstet, der geht verändert aus einem Gottesdienst nach Hause. Für den ist die Wirklichkeit Gottes in seinem Leben neu spürbar geworden.
Interessant ist, dass besonders Kinder, oft mehr als wir denken, für dieses Geschehen im Gottesdienst eine Antenne haben. Ich habe oft erlebt, dass Kinder, die regelmäßig von klein auf am Gottesdienst teilnehmen, genau diesen heilsamen Sinn des gottesdienstlichen Handelns erfassen. Wir Erwachsene könnten viel von ihnen lernen. Statt dessen werden sie aus unseren traditionellen Gottesdiensten oft herausgehalten, vielleicht weil sich Menschen durch ihre Anwesenheit gestört fühlen könnten, vielleicht, weil Erwachsene sich nicht vorstellen können, dass Kinder damit etwas anfangen können. Ich möchte in diesem Jahr versuchen, immer wieder ein Türchen zum Ablauf des Gottesdienstes zu öffnen, in dem ich ihnen ein kleines Stück des Gottesdienstes versuche näher zu bringen.
Und ich lade sie herzlich ein, mit uns zusammen nach der heilenden Kraft Gottes in unserem Leben jede Woche neu zu suchen und mitzuhelfen, dass unsere Gottesdienste ihnen dabei eine Hilfe sein können.
Mit herzlichem Gruß für das neue Jahr
Ihr Pfr. Matthias Welsch

 

Was heißt für mich Nachbarschaft?
Die Bedeutung der Nachbarschaft für verschiedene Personen

Marita Weber, 50 Jahre:
Für mich bedeutet Nachbarschaft in erster Linie gegenseitige Hilfe und Unterstützung, auch und gerade in Notfällen. Trotzdem sollte man nicht zu sehr aufeinander hocken und sich somit nicht auf den Wecker oder den Geist gehen. Man muss auch Abstand halten können. Für ein gutes Zusammenleben ist auch eine gewisse Portion Toleranz notwendig. Man darf wegen vereinzelt auftretendem Lärm oder einem zu groß gewachsenen Baum nicht gleich das Kriegsbeil ausgraben. Nachbarschaft kann aber auch Vertrauen und Geselligkeit heißen. Bei Bedarf, das heißt bei Krankheit oder ähnlichen Notsituationen, sollten Nachbarn füreinander da sein und sich um den anderen kümmern. Man sollte nicht nur zurückgezogen in seinem Haus leben und nicht mitbekommen, was in seiner Straße überhaupt los ist.

Dominik Stadler, 21 Jahre:
„Mmh, was heißt Nachbarschaft für mich? – eine schwierige Sache“ war die erste Reaktion auf meine Frage. Doch dann fielen Dominik doch ein paar Sachen ein: Beisammensein ist mit eines der wichtigsten Sachen. Man muss mit seinen Nachbarn zusammensitzen können, Spaß haben können und auch richtig gut feiern können. In Notsituationen, bei Krankheit oder auch bei ganz kleinen, alltäglichen Problemen, z.B. wenn es Sonntagnachmittag ist, man einen Kuchen backen möchte, aber einem ein Ei oder etwas Mehl fehlt, sollte man sich auf die Hilfe und Unterstützung der Nachbarn verlassen können. Selbstverständlich ist nicht jeder Tag Sonnenschein, und die Nachbarn gehen sich gegenseitig auf die Nerven. Dann ist eine gewisse Portion Toleranz notwendig, damit auch solche Phasen überstanden werden.

Dirk Tormählen, 19 Jahre, z.Z. Grundwehrdienstleistender bei der Bundeswehr:
Seit nun etwa drei Monaten bedeutet Nachbarschaft für mich etwas ganz anderes als vorher. Ich lebe mit sieben anderen Kameraden auf einer Stube – wir kannten uns bis vor kurzem nicht und wurden willkürlich zusammengewürfelt. Trotzdem müssen wir miteinander klar kommen, egal ob wir uns mögen oder nicht, ob wir uns sympathisch sind oder nicht. Man hat keinen Platz, um sich aus dem Weg zu gehen, und so etwas wie Privatsphäre existiert nicht. Dies kann man nur durch viel, viel Toleranz und Rücksichtnahme, durch Respekt seinen Kameraden gegenüber und durch das Zurückstecken und Verzichten der eigenen Ansprüche und Gewohnheiten aushalten. Dennoch kann man auch hier, mit dieser total neuen Nachbarschaft, viel Spaß und Freude haben.

Lars Müller, 20 Jahre, z.Z. Grundwehrdienstleistender bei der Bundeswehr:
Im BIWAK, so nennt man bei der Bundeswehr das Campieren im Wald bei Wind und Wetter, ist einem der spezielle Nachbar eigentlich ziemlich egal. Die Umstände lassen eine unheimliche Toleranz entstehen, sodass man sich an vielen Sachen gar nicht mehr stört. Man ist zwar unmittelbar aufeinander angewiesen, teilt mit seinem Kameraden das viel zu kleine Zelt, schläft auf engstem Raum nebeneinander (dazu kommt noch das Gewehr und die Ausrüstung), hängt mehrere Tage zusammen und macht im Prinzip alles gemeinsam mit seinem Nachbarn. Aber jeder macht das Gleiche durch, jeder weiß, wie der andere sich fühlt und wenn man mal in seinen Schlafsack kriechen kann, ist man froh, wenn man endlich etwas Wärme und Ruhe bekommt. Da ist es einem grad egal, ob der Nachbar schnarcht, ob er etwas mehr Platz hat oder sein Helm auf deiner Seite rumliegt – man schläft eh sofort ein.


Nachbarschaft
aus: Rowohlt,
Lexikon sociologicus
Lexikon der soziologischen Grundbegriffe, 1999
Gesellschaftliche Bezeichnung für Wohn- und Siedlungsnähe. Im Beziehungsgefüge steht Nachbarschaft zwischen Familie und Gemeinde. Früher war Nachbarschaft ein zur Mithilfe bei den Nachbarn verpflichtender Kleinverband (zum Beispiel bestand in westfälischen Dörfern die Nachbarschaft aus sieben Nachbarn, von denen sechs bei einer Beerdigung den Sarg trugen, der siebte trug das Kreuz).
Solche derart verpflichteten Kleinverbände sind heute noch in Resten in ländlichen Gebieten vorhanden. Auch in Randgebieten der Großstädte halten sich Nachbarschaftsgefüge, die für die Bewohner von Bedeutung sind. In der modernen Stadtplanung wird seit kurzem versucht, der großen Bedeutung, die Nachbarschaft besonders für Kinderfamilien, aber auch für ältere Alleinstehende haben kann, durch entsprechendes Bauen Rechnung zu tragen. Im Hinblick auf Widerstände darf man nicht vergessen, dass auch der Nationalsozialismus unter anderen Vorzeichen (aus Kontrollgründen) Nachbarschaften gefördert hat.“


Nachbarschaft, das ist ein Thema über das es sich lohnt nachzudenken. Nachbarschaft, was ist das?
Nachbarschaft ist, wenn ich vergessen habe Eier zu kaufen – und der Nachbar leiht mir eins.
Nachbarschaft ist, wenn einer im Urlaub meine Pflanzen gießt und nach der Post sieht.
Nachbarschaft ist, wenn das Kind nachts aus dem Bett fällt und die Nachbarin legt es wieder rein.
Nachbarschaft ist, wenn ich genau weiß, dass die Nachbarn da sind, weil ich das Auto gehört habe.
Nachbarschaft ist, wenn einer sich um mich kümmert, wenn ich krank bin.
Nachbarschaft ist, einfach mal spontan ein Fest feiern.
Für viele Menschen ist Nachbarschaft auch
... misstrauische Blicke.
... Lärmbelästigung.
... der, der mir meinen Parkplatz wegnimmt.
... der, dessen Bäume zu hoch oder zu niedrig sind.
... der, der seinen Müll nicht wegräumt.
... der, der so neugierig ist.
Ich behaupte, Nachbarschaft ist die Feuerprobe für jeden Christen— auch wenn Sie das vielleicht noch nicht so gesehen haben. Das Gebot von der Nächstenliebe, das letztlich alle als die Quintessenz des Christlichen anerkennen, wird hier praktisch und konkret. Manchmal wird es gerade, wenn es um den Nachbarn geht, auch besonders schwer umzusetzen. Denn Nachbarn können wir uns meistens nicht aussuchen. Wir müssen miteinander klar kommen, ob wir wollen oder nicht.
Es stimmt, immer mehr Menschen gehen dem Nachbarn aus dem Weg. Wenn ich z.B. durch den Breidert gehe, kann ich es oft von außen sehen: hohe Zäune, Hecken als Sichtschutz, bloß nicht zuviel Kontakt, Privatsphäre, Rückzug, ich will meine Ruhe haben vor den Nachbarn. Immer öfter höre ich: „die neuen Mieter von nebenan, die habe ich noch gar nicht kennen gelernt“.
Leider Gottes ist es schon so weit, dass erst die Angst um Hab und Gut Nachbarn anscheinend wieder näher zusammen bringt. Früher wäre ein Verein
„Nachbarn schützen Nachbarn“ nicht notwendig gewesen, sondern das Motto wäre eine Selbstverständlichkeit gewesen. Er ist also nicht nur ein Zeichen dafür, dass es mehr Kriminalität gibt; er ist vor allem ein Zeichen dafür, dass eine Grundlage menschlichen Zusammenlebens in einer Kommune nicht mehr funktioniert: die Nachbarschaft.
Und übrigens besteht auch eine Kirchengemeinde nicht, wie wir vielleicht manchmal denken, aus der Kirche, dem Gemeindehaus, den Pfarrern und Gemeindepädagogen, dem Kirchenvorstand ... – nein, sie besteht in erster Linie aus Nachbarschaft. Nebenan, in meiner Strasse wohnen und leben Christen. Mit ihnen bin ich durch die Taufe verbunden. Sie sind dadurch schon immer meine Geschwister. Wir haben Gott als gemeinsamen Vater. Und gehen sie mit den Nachbarn um wie mit Geschwistern? Warum eigentlich nicht? Ich glaube, Nachbarschaft ist die Feuerprobe des Christen.
Matthias Welsch


„Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“
Schon Plautus sagt im „Mercator“ IV,4:
„Jetzt habe ich die Wahrheit des alten Wortes erfahren, dass einem deshalb etwas Böses widerfährt, weil man einen bösen Nachbarn hat.“

Chronik einer guten Idee:
Das Gefühl geben, nicht allein zu sein
Als Ende der 90er Jahre die Zahl der Wohnungseinbrüche um 20 Prozent anstieg, machte sich das Rödermärker Ordnungsamt Gedanken darüber, eine private Initiative "Nachbarn schützen Nachbarn" für das Wohngebiet
„lm Taubhaus" zu gründen. lm März 1998 luden der damalige Polizeipräsident Rainer Buchert und die Erste Stadträtin Margot Süß die Anwohner zu einer Auftaktveranstaltung in die Halle Urberach ein. Polizei und Ordnungsamt stellten ihre Ideen den interessierten Anwesenden vor.
Die Folgeveranstaltung im Urberacher Feuerwehrhaus zeigte, dass sich von den mehr als 100 Anwesenden rund 20 Bürger für diese Art der Nachbarschaftshilfe interessierten. Diese trafen sich in der nächsten Zeit regelmäßig bei einer Art Stammtisch und planten erste Aktionen - immer in enger Zusammenarbeit mit dem städtischen Ordnungsamt. Dabei wollten die Mitglieder der
Initiative nicht als eine Art "Bürgerwehr" missverstanden werden, sondern sie wollten vielmehr ein intensiveres Miteinander fördern. „Wachsame Nachbarn" bedeuten für sie, dass sich die Bewohner wieder besser kennen lernen, sich um einander kümmern und aufpassen, dass dem anderen nichts passiert; das "Gefühl, nicht allein zu sein," sollte innerhalb des Wohngebiets entstehen.
Zum erstenmal traten "Nachbarn schützen Nachbarn" mit einem Fragebogen ins Licht der Öffentlichkeit, in dem sie von den Anwohnern Im Taubhaus und der angrenzenden Wohngebiete wissen wollten, wo sich diese aus welchen Gründen unsicher fühlen. Nach Auswertung der Rückläufer begaben sich Mitglieder der Initiative zusammen mit Vertretern des Ordnungsamtes auf eine Ortsbegehung. Mängel wurden festgestellt und in der Folgezeit beseitigt. Gartenbesitzer, deren Sträucher Straßenlaternen verdeckten, wurden zum Beschnitt aufgefordert, mit der HEAG wurde Kontakt aufgenommen, damit hellere Lampen in dunklen Ecken installiert werden. Wie die Umsetzung der Vorschläge zeigte, war die Aktion ein Erfolg.
Im März 2000 wurde eine weitere Gruppe von "Nachbarn schützen Nachbarn" im Ober-Röder Wohngebiet Breidert gegründet und dort ebenfalls eine Fragebogenaktion mit ähnlichem Erfolg durchgeführt. Sowohl im Breidert als auch im Taubhaus stehen seitdem Schilder, die auf die "Wachsamen Nachbarn" hinweisen.
2001 wurde schließlich ein Verein gegründet, dem sich neben den beiden Gruppen außerdem die Aktionsgemeinschaft gegen Gewalt in Rödermark (AgGiR) anschloss. Den Vorstand des neuen Vereins bildeten Karl Heinz Kratzenstein (Taubhaus), Horst Jäger (Breidert) und Rudolf Hinrichs von der AgGiR [inzwischen abgelöst durch Erich Feller].
"Die Nachbarschaft muss einfach stimmen", meint Klaus Neumann, der für die Pressearbeit des Vereins zuständig ist. "Wir wollen die Leute dafür sensibilisieren, sich wieder richtig kennen zu lernen und sich um den anderen zu kümmern, auf ihn zu achten."
Matthias Schulze
Der Text ist mit freundlicher Genehmigung der Chronik „25 Jahre Rödermark“ entnommen, die im August 2002 anlässlich des Stadtjubiläums erschien. Die Chronik ist für € 9.25 in den Rathäusern erhältlich.


Bürger für Sicherheit in Rödermark e.V.
Der Verein
Mit der Gründung des Vereins wollten die Initiatoren den drei Initiativen ein „gemeinsames Dach“ geben, die Basis der Aktiven verbreitern und die Möglichkeiten schaffen, finanziell etwas mehr Spielraum zu haben (als gemeinnütziger Verein können wir an Sponsoren Spendenbescheinigungen ausstellen).
Die Ziele aller drei Initiativen werden darüber hinaus nach wie vor im Präventionsrat der Stadt vertreten.
Der Verein hat zwischenzeitlich 40 persönliche und eine Firma als Mitglieder und konnte neben den Mitgliedsbeiträgen einige sonstige Geldzugänge verzeichnen.

Regelmäßige Treffen der Initiativen
Bei den regelmäßigen Treffen der Initiativen „Nachbarn schützen Nachbarn“ (jeder 2. Mittwoch im Monat im Breidert, jeder 3. Mittwoch in Urberach) werden aktuelle Themen diskutiert, die Probleme der Mitbürger angehört und Themen aufgenommen, die bisher nicht in direktem Zusammenhang mit den Tätigkeiten gesehen wurden, z. B. in Waldacker das Thema Kampfhunde-verordnung, im Breidert das Thema vollgelaufene Keller nach den starken Regenfällen. Die früher von den beiden Initiativen mit Erfolg durchgeführten Umfragen sollen bei den Bürgern erneuert und ggf. auch in anderen Wohngebieten durchgeführt werden.

Ringmaster
Im September 2001 wurden Politiker und Mandatsträger vom Verein über die Vorteile von Ringmaster informiert. Nach anfänglichem Zögern stimmten die Stadtverordneten der Einführung zu und stellten die Mittel (etwa 10.000.-- € für die Anschaffung) bereit. Im Juni 2002 wurde das System bei der Polizei in Dietzenbach installiert.
Durch intensive Werbung wurde erreicht, dass sich inzwischen ca. 1.000 Haushalte und Gewerbebetriebe zur Teilnahme bereiterklärt haben.
Die offizielle Inbetriebnahme fand am 2. Dezember durch den Hessischen Innenminister Volker Bouffier statt.
Die Pressemitteilung aus seinem Amt zu diesem Anlass:

Hessisches Ministerium des Innern und für Sport, Pressemitteilung 02.12.02
"Erfolgreiches Präventionsmedium gegen Einbruch und betrügerische Haustürgeschäfte"
Wiesbaden/Rödermark. - Innenminister Volker Bouffier hat der Stadt Rödermark zur Einrichtung des Telefon-Informations-Systems "Ringmaster" gratuliert. "Mit dem Einsatz von Ringmaster wird der vorbeugende Schutz der Bürgerinnen und Bürger in Rödermark vor Kriminalität deutlich gestärkt", sagte Bouffier bei der Inbetriebnahme des Systems in der Polizeistation Dietzenbach. Das System ermögliche der Polizei eine schnelle Information der angeschlossenen Bürger, beispielsweise vor Einbruchgefahren und betrügerischen Haustürgeschäften.
"Dadurch sind die Bürger vorgewarnt und können entsprechend reagieren", sagte Bouffier. Rödermark ist nach Bensheim und Zwingenberg die dritte hessische Kommune mit diesem modernen Präventionssystem.

Minister Volker Bouffier
Minister Volker Bouffier bei der
„Inbetriebnahme per Mausklick“,
links Horst Jaeger, rechts H. Helms,
der die Software installiert hat.

Innenminister Bouffier lobte die Stadt für ihr Engagement. Mit der Einrichtung des Ringmaster-Systems komme sie ihrer Verantwortung für die Sicherheit der Bürger und deren Schutz vor Kriminalität beispielhaft nach, stellte Bouffier fest. Ausdrücklich bedankte sich der Minister bei der Initiative "Nachbarn schützen Nachbarn" und dem Verein "Bürger für Sicherheit in Rödermark". Diese hatten die Idee der Einrichtung eines Ringmaster-System in Rödermark an die Stadtverwaltung herangetragen und in der Folge massiv Werbung bei Bürgern und Geschäftsleuten für eine Teilnahme betrieben. "Bereits beim Start über 1000 angeschlossene Haushalte und Geschäfte sprechen für den Erfolg dieser beispielhaften Arbeit", hob Bouffier hervor.
Der Minister betonte, dass sich das Ringmaster-System in der Praxis bisher bestens bewährt habe. .... Darüber hinaus ergingen über das Ringmaster-System Warnmeldungen unter anderem vor Trickdieben, Einschleichdieben, Geldwechsel-Betrügern und Taschendieben.
"Wer gewarnt ist, kann entsprechend vorbeugen", so Innenminister Bouffier.
Das Ringmaster-System in Rödermark wird von der Stadt Rödermark getragen und von der Polizei betrieben. Es ist in der Polizeistation Dietzenbach stationiert.
Die Kosten für die Anschaffung von PC und Software betragen rund 10.000 Euro und werden von der Stadt übernommen.
Das System ermöglicht es der Polizei, Warnmeldungen auf einen Datenträger zu sprechen. Diese Warnmeldungen werden dann anschließend von dem System automatisch an die angeschlossenen Teilnehmer gesendet, d.h. die registrierten Bürger bekommen einen Anruf auf den genannten Telefon- oder Handy-Anschluss. Für die Bürger entstehen dabei keine Kosten.
Innenminister Bouffier warb abschließend bei bisher unentschlossenen Bürgerinnen und Bürgern dafür, sich im Ringmaster-System registrieren zu lassen. "Je mehr Teilnehmer mitmachen, umso größer ist die Wirkung und auch Abschreckung für Straftäter", betonte Bouffier.“

Der Verein wird sehr genau verfolgen, wie Polizei und Ordnungsamt das System nutzen, denn beim Einsatz und der Nutzung kann nur beobachtet, aber nicht mehr aktiv mitgewirkt werden. Es wird weiterhin dafür geworben werden, denn der Verein will erreichen, dass sich möglichst ganz Rödermark beteiligt.
Sind Sie bereits angemeldet?
Übrigens: Die Telefon-Nummer der Polizei lautet (06074) 8370

Mitarbeit im Präventionsrat
Der Verein konnte erreichen, dass der Präventionsrat regelmäßig tagt. Er befasst sich mit allen Aufgaben der vorbeugenden Abwehr insbesondere von kriminellen Delikten. Die Aufgaben des Präventionsrates sind u.a.:
-Vorbeugende Aufklärung in der Bevölkerung
-Kriminelle Tendenzen im Ansatz erkennen und entgegenwirken
-Koordination von Präventionsinitiativen der Polizei, Stadtverwaltung, Schulen, Pfarrgemeinden und gesellschaftlich relevanten Gruppen

Sicherheitstag
Zusammen mit dem Ordnungsamt wurde im September der 2. Sicherheitstag in Rödermark, durchgeführt. Mehrere Teilnehmer informierten dabei über ihre Tätigkeiten zum Thema Sicherheit.

Ziele für die folgenden Jahre
Die bisherige Arbeit wird fortgesetzt. Eine weitere Initiative sollte möglichst in Waldacker gegründet wird, Interessenten sind vorhanden. Die Einführung von Ringmaster wird beobachtet und ggf. mit neuen Werbemaßnahmen unterstützt.
Klaus Neumann
Diesen Bericht stellte uns freundlicherweise Klaus Neumann, der Schriftführer des Vereins, zur Verfügung.

Kontakt E-Mail:
info@nsn-roedermark.de
Postanschrift:
Rödermärker Initiativen
"Nachbarn schützen Nachbarn"
c/o Rathaus Urberach
63322 Rödermark


Ringmaster – gibt es gar keine Kritik?
In den Veröffentlichungen über Ringmaster in den Zeitungen und im Internet erfährt man einiges über Ringmaster. Wie funktioniert das System? Wie kann ich mich anmelden? Wer kann Meldungen auslösen? Wer entscheidet über deren Weiterleitungen? Allerlei Informatives ist da zu erfahren, und die möglichen positiven Auswirkungen auf das Allgemeinwesen in Rödermark werden lobend erwähnt wie z.B die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger bei der Suche nach Vermissten, die Warnung der Polizei vor Trickbetrügern oder Einbrechern, der vorbeugende Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Kriminalität und eine größere Bürgerorientierung der Polizei. Man erfährt ausnahmslos Positives. Warum auch nicht? Sind es doch allesamt hohe Ziele, die mit dem Ringmaster-System verfolgt werden, und es ist auch keine Negativ-Berichterstattung aus Bensheim und Zwingenberg zu finden, wo Ringmaster schon seit einiger Zeit läuft. Da ist wirklich zu hoffen, dass diese Ziele durch den besonnenen Umgang mit Ringmaster auch erreicht werden. Und die erlaubten Zweifel, ob erhöhte Aufmerksamkeit aufgrund von mehr Information tatsächlich auch weniger Kriminalität und mehr Sicherheit(sgefühl?) bedeuten und nicht ein Mehr an Angst und Abkapselung, werden sich hoffentlich als unbegründet erweisen. Hoffentlich werden diejenigen, die über die Weiterleitung von Meldungen zu entscheiden haben, nicht von einer Vielzahl überängstlicher Meldungen abgelenkt und können in der Eile, die das Ringmaster-System notwendig macht, die richtige Auswahl treffen und die Meldungen an den richtigen Personenkreis weiter leiten. Hoffentlich zahlen wir nicht den Preis dieser Bürgerorientierung mit einem Klima des Misstrauens gegenüber Fremden und Auffälligem. Denn das könnte zu Überreaktionen führen und die Bürgerinnen und Bürger dazu veranlassen, sich abzukapseln und in die Isolation zu begeben.
Dann wäre das schöne Nachbarschaftsbild, das mit Ringmaster auch verfolgt wird, leider zerstört.
S. Waller

Abschließend:
Für Interessierte:
Die Jahreshauptversammlung des Vereins findet am
Mittwoch, 26. März 2003
im Seniorentreff in Ober-Roden
(ehem. Feuerwehrgebäude) statt.
Dabei besteht die Möglichkeit, mit den Organisatoren über die Tätigkeiten und Ziele zu diskutieren.

 

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