| Ausgabe Februar/März 2003
Thema: Nachbarschaft - die Feuerprobe des Christen
Besinnung: Der Weg in das Leben
Der Kirchenvorstand hat bei seiner Klausurtagung die Arbeit an ansprechenden
Gottesdiensten als den Arbeitsbereich mit höchster Priorität
für die nächste Zeit ausgemacht. Schon das Ergebnis der Gemeindebefragung
von 1999 hatte uns auf das Thema hingewiesen. Menschen erwarten von unserer
Gemeinde in hohem Maße, dass sie sich um ansprechende Gottesdienste
bemüht (72,5% der Befragten waren dieser Meinung). Im März wollen
wir neue Schritte in diese Richtung wagen, ein paar Dinge verändern
und Bewährtes weiter entwickeln. Vor allem soll es eine klare Struktur
für den Gottesdienstplan geben.
Als wir zusammen gesessen haben um unsere Überlegungen voran zu treiben,
da war auch klar, dass es auch die traditionelle Gottesdienstform weiter
geben sollte und dass sie uns sehr wichtig ist. Uns wurde zugleich bewusst,
dass vielen Zeitgenossen diese Form fremd geworden ist, dass der Gottesdienstablauf
seine Transparenz verloren hat. Wir wollen also den Versuch wagen, den
traditionellen Ablauf intuitiv verstehbar zu machen, ihm, wenn man es
in der Computersprache sagen würde eine „intuitive Benutzeroberfläche“
zu geben. Jede und jeder soll verstehen können, worum es geht. Freilich,
ganz leicht ist das nicht. Der Glaube und seine Formen sind etwas, was
erlernt sein will, durch Übung vertieft werden. Nur so findet man
einen Zugang, kann die Tiefe der Ausdrucksform Gottesdienst erfassen.
Es geht um etwas Geheimnisvolles, etwas, das uns im Alltag zumeist verborgen
ist. Denn im Gottesdienst wollen wir Gott nahe kommen. Es geht darum sich
mit seinem begrenzten menschlichen Sein der unendlichen, alles umfassenden
Wirklichkeit Gottes zu stellen. Diese Begegnung hat, - so hat es einer
meiner theologischen Lehrer immer gesagt - etwas Lebensgefährliches,
weil wir selbst mit unserem ganzen Leben und Lebensentwurf in Frage gestellt
werden. Weil wir uns unserer Sterblichkeit, unserer Fehlerhaftigkeit bewusst
werden, wenn wir uns auf Gott einlassen.
Gottesdienst, oder Liturgie, wie wir Theologen dazu sagen, hat eine Tiefendimension,
die sich erst durch immer wieder kehrende regelmäßige Wiederholung
erschließt, deren heilende Wirkung sich nur so ganz entfalten kann.
Das nützt allerdings nichts, wenn dem, dem diese Form fremd ist,
keine Türen offen stehen, um hinein zu kommen.
Ein paar Hilfsvorstellungen können Türen öffnen. Gottesdienst
will Menschen heilen, Gottesdienst will den Weg in ein gutes Leben bahnen,
Gottesdienst will aus der Dunkelheit ins Licht führen. Jede Etappe
des Weges hat seine Bedeutung und leitet uns auf diesem Weg. Liturgie
ist dabei Kommunikation in verschiedener Hinsicht. Sie ist Kommunikation
innerhalb der Gemeinschaft von Menschen, die anders als sonst nicht aus
Gründen gegenseitiger Zuneigung zustande kommt. Sie ist zugleich
Kommunikation auf Gott hin, sucht das Gespräch mit Gott. Weil Gottesdienst
Kommunikation ist, ist er auf das Mitmachen aller angelegt. Allerdings,
und das fällt manchem vielleicht heute schwer, hat das Mitmachen
für alle Beteiligten: Gemeinde, Pfarrer, Organist einen vorher festgelegten
Rahmen. Jeder weiß im Voraus, wann er was sagen oder tun soll. So
kann das gemeinsame Gehen des Weges ohne vorherige Absprache funktionieren.
Wer sich auf den Weg einlassen kann, der geht getröstet, der geht
verändert aus einem Gottesdienst nach Hause. Für den ist die
Wirklichkeit Gottes in seinem Leben neu spürbar geworden.
Interessant ist, dass besonders Kinder, oft mehr als wir denken, für
dieses Geschehen im Gottesdienst eine Antenne haben. Ich habe oft erlebt,
dass Kinder, die regelmäßig von klein auf am Gottesdienst teilnehmen,
genau diesen heilsamen Sinn des gottesdienstlichen Handelns erfassen.
Wir Erwachsene könnten viel von ihnen lernen. Statt dessen werden
sie aus unseren traditionellen Gottesdiensten oft herausgehalten, vielleicht
weil sich Menschen durch ihre Anwesenheit gestört fühlen könnten,
vielleicht, weil Erwachsene sich nicht vorstellen können, dass Kinder
damit etwas anfangen können. Ich möchte in diesem Jahr versuchen,
immer wieder ein Türchen zum Ablauf des Gottesdienstes zu öffnen,
in dem ich ihnen ein kleines Stück des Gottesdienstes versuche näher
zu bringen.
Und ich lade sie herzlich ein, mit uns zusammen nach der heilenden Kraft
Gottes in unserem Leben jede Woche neu zu suchen und mitzuhelfen, dass
unsere Gottesdienste ihnen dabei eine Hilfe sein können.
Mit herzlichem Gruß für das neue Jahr
Ihr Pfr. Matthias Welsch
Was heißt für mich Nachbarschaft?
Die Bedeutung der Nachbarschaft für verschiedene Personen
Marita Weber, 50 Jahre:
Für mich bedeutet Nachbarschaft in erster Linie gegenseitige Hilfe
und Unterstützung, auch und gerade in Notfällen. Trotzdem sollte
man nicht zu sehr aufeinander hocken und sich somit nicht auf den Wecker
oder den Geist gehen. Man muss auch Abstand halten können. Für
ein gutes Zusammenleben ist auch eine gewisse Portion Toleranz notwendig.
Man darf wegen vereinzelt auftretendem Lärm oder einem zu groß
gewachsenen Baum nicht gleich das Kriegsbeil ausgraben. Nachbarschaft
kann aber auch Vertrauen und Geselligkeit heißen. Bei Bedarf, das
heißt bei Krankheit oder ähnlichen Notsituationen, sollten
Nachbarn füreinander da sein und sich um den anderen kümmern.
Man sollte nicht nur zurückgezogen in seinem Haus leben und nicht
mitbekommen, was in seiner Straße überhaupt los ist.
Dominik Stadler, 21 Jahre:
„Mmh, was heißt Nachbarschaft für mich? – eine
schwierige Sache“ war die erste Reaktion auf meine Frage. Doch dann
fielen Dominik doch ein paar Sachen ein: Beisammensein ist mit eines der
wichtigsten Sachen. Man muss mit seinen Nachbarn zusammensitzen können,
Spaß haben können und auch richtig gut feiern können.
In Notsituationen, bei Krankheit oder auch bei ganz kleinen, alltäglichen
Problemen, z.B. wenn es Sonntagnachmittag ist, man einen Kuchen backen
möchte, aber einem ein Ei oder etwas Mehl fehlt, sollte man sich
auf die Hilfe und Unterstützung der Nachbarn verlassen können.
Selbstverständlich ist nicht jeder Tag Sonnenschein, und die Nachbarn
gehen sich gegenseitig auf die Nerven. Dann ist eine gewisse Portion Toleranz
notwendig, damit auch solche Phasen überstanden werden.
Dirk Tormählen, 19 Jahre, z.Z. Grundwehrdienstleistender
bei der Bundeswehr:
Seit nun etwa drei Monaten bedeutet Nachbarschaft für mich etwas
ganz anderes als vorher. Ich lebe mit sieben anderen Kameraden auf einer
Stube – wir kannten uns bis vor kurzem nicht und wurden willkürlich
zusammengewürfelt. Trotzdem müssen wir miteinander klar kommen,
egal ob wir uns mögen oder nicht, ob wir uns sympathisch sind oder
nicht. Man hat keinen Platz, um sich aus dem Weg zu gehen, und so etwas
wie Privatsphäre existiert nicht. Dies kann man nur durch viel, viel
Toleranz und Rücksichtnahme, durch Respekt seinen Kameraden gegenüber
und durch das Zurückstecken und Verzichten der eigenen Ansprüche
und Gewohnheiten aushalten. Dennoch kann man auch hier, mit dieser total
neuen Nachbarschaft, viel Spaß und Freude haben.
Lars Müller, 20 Jahre, z.Z. Grundwehrdienstleistender
bei der Bundeswehr:
Im BIWAK, so nennt man bei der Bundeswehr das Campieren im Wald bei Wind
und Wetter, ist einem der spezielle Nachbar eigentlich ziemlich egal.
Die Umstände lassen eine unheimliche Toleranz entstehen, sodass man
sich an vielen Sachen gar nicht mehr stört. Man ist zwar unmittelbar
aufeinander angewiesen, teilt mit seinem Kameraden das viel zu kleine
Zelt, schläft auf engstem Raum nebeneinander (dazu kommt noch das
Gewehr und die Ausrüstung), hängt mehrere Tage zusammen und
macht im Prinzip alles gemeinsam mit seinem Nachbarn. Aber jeder macht
das Gleiche durch, jeder weiß, wie der andere sich fühlt und
wenn man mal in seinen Schlafsack kriechen kann, ist man froh, wenn man
endlich etwas Wärme und Ruhe bekommt. Da ist es einem grad egal,
ob der Nachbar schnarcht, ob er etwas mehr Platz hat oder sein Helm auf
deiner Seite rumliegt – man schläft eh sofort ein.
Nachbarschaft
aus: Rowohlt,
Lexikon sociologicus
Lexikon der soziologischen Grundbegriffe, 1999
Gesellschaftliche Bezeichnung für Wohn- und Siedlungsnähe. Im
Beziehungsgefüge steht Nachbarschaft zwischen Familie und Gemeinde.
Früher war Nachbarschaft ein zur Mithilfe bei den Nachbarn verpflichtender
Kleinverband (zum Beispiel bestand in westfälischen Dörfern
die Nachbarschaft aus sieben Nachbarn, von denen sechs bei einer Beerdigung
den Sarg trugen, der siebte trug das Kreuz).
Solche derart verpflichteten Kleinverbände sind heute noch in Resten
in ländlichen Gebieten vorhanden. Auch in Randgebieten der Großstädte
halten sich Nachbarschaftsgefüge, die für die Bewohner von Bedeutung
sind. In der modernen Stadtplanung wird seit kurzem versucht, der großen
Bedeutung, die Nachbarschaft besonders für Kinderfamilien, aber auch
für ältere Alleinstehende haben kann, durch entsprechendes Bauen
Rechnung zu tragen. Im Hinblick auf Widerstände darf man nicht vergessen,
dass auch der Nationalsozialismus unter anderen Vorzeichen (aus Kontrollgründen)
Nachbarschaften gefördert hat.“
Nachbarschaft, das ist ein Thema über das es sich lohnt nachzudenken.
Nachbarschaft, was ist das?
Nachbarschaft ist, wenn ich vergessen habe Eier zu kaufen – und
der Nachbar leiht mir eins.
Nachbarschaft ist, wenn einer im Urlaub meine Pflanzen gießt und
nach der Post sieht.
Nachbarschaft ist, wenn das Kind nachts aus dem Bett fällt und die
Nachbarin legt es wieder rein.
Nachbarschaft ist, wenn ich genau weiß, dass die Nachbarn da sind,
weil ich das Auto gehört habe.
Nachbarschaft ist, wenn einer sich um mich kümmert, wenn ich krank
bin.
Nachbarschaft ist, einfach mal spontan ein Fest feiern.
Für viele Menschen ist Nachbarschaft auch
... misstrauische Blicke.
... Lärmbelästigung.
... der, der mir meinen Parkplatz wegnimmt.
... der, dessen Bäume zu hoch oder zu niedrig sind.
... der, der seinen Müll nicht wegräumt.
... der, der so neugierig ist.
Ich behaupte, Nachbarschaft ist die Feuerprobe für jeden Christen—
auch wenn Sie das vielleicht noch nicht so gesehen haben. Das Gebot von
der Nächstenliebe, das letztlich alle als die Quintessenz des Christlichen
anerkennen, wird hier praktisch und konkret. Manchmal wird es gerade,
wenn es um den Nachbarn geht, auch besonders schwer umzusetzen. Denn Nachbarn
können wir uns meistens nicht aussuchen. Wir müssen miteinander
klar kommen, ob wir wollen oder nicht.
Es stimmt, immer mehr Menschen gehen dem Nachbarn aus dem Weg. Wenn ich
z.B. durch den Breidert gehe, kann ich es oft von außen sehen: hohe
Zäune, Hecken als Sichtschutz, bloß nicht zuviel Kontakt, Privatsphäre,
Rückzug, ich will meine Ruhe haben vor den Nachbarn. Immer öfter
höre ich: „die neuen Mieter von nebenan, die habe ich noch
gar nicht kennen gelernt“.
Leider Gottes ist es schon so weit, dass erst die Angst um Hab und Gut
Nachbarn anscheinend wieder näher zusammen bringt. Früher wäre
ein Verein
„Nachbarn schützen Nachbarn“ nicht notwendig gewesen,
sondern das Motto wäre eine Selbstverständlichkeit gewesen.
Er ist also nicht nur ein Zeichen dafür, dass es mehr Kriminalität
gibt; er ist vor allem ein Zeichen dafür, dass eine Grundlage menschlichen
Zusammenlebens in einer Kommune nicht mehr funktioniert: die Nachbarschaft.
Und übrigens besteht auch eine Kirchengemeinde nicht, wie wir vielleicht
manchmal denken, aus der Kirche, dem Gemeindehaus, den Pfarrern und Gemeindepädagogen,
dem Kirchenvorstand ... – nein, sie besteht in erster Linie aus
Nachbarschaft. Nebenan, in meiner Strasse wohnen und leben Christen. Mit
ihnen bin ich durch die Taufe verbunden. Sie sind dadurch schon immer
meine Geschwister. Wir haben Gott als gemeinsamen Vater. Und gehen sie
mit den Nachbarn um wie mit Geschwistern? Warum eigentlich nicht? Ich
glaube, Nachbarschaft ist die Feuerprobe des Christen.
Matthias Welsch
„Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn
es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“
Schon Plautus sagt im „Mercator“ IV,4:
„Jetzt habe ich die Wahrheit des alten Wortes erfahren, dass einem
deshalb etwas Böses widerfährt, weil man einen bösen Nachbarn
hat.“
Chronik einer guten Idee:
Das Gefühl geben, nicht allein zu sein
Als Ende der 90er Jahre die Zahl der Wohnungseinbrüche um 20 Prozent
anstieg, machte sich das Rödermärker Ordnungsamt Gedanken darüber,
eine private Initiative "Nachbarn schützen Nachbarn" für
das Wohngebiet
„lm Taubhaus" zu gründen. lm März 1998 luden der
damalige Polizeipräsident Rainer Buchert und die Erste Stadträtin
Margot Süß die Anwohner zu einer Auftaktveranstaltung in die
Halle Urberach ein. Polizei und Ordnungsamt stellten ihre Ideen den interessierten
Anwesenden vor.
Die Folgeveranstaltung im Urberacher Feuerwehrhaus zeigte, dass sich von
den mehr als 100 Anwesenden rund 20 Bürger für diese Art der
Nachbarschaftshilfe interessierten. Diese trafen sich in der nächsten
Zeit regelmäßig bei einer Art Stammtisch und planten erste
Aktionen - immer in enger Zusammenarbeit mit dem städtischen Ordnungsamt.
Dabei wollten die Mitglieder der
Initiative nicht als eine Art "Bürgerwehr" missverstanden
werden, sondern sie wollten vielmehr ein intensiveres Miteinander fördern.
„Wachsame Nachbarn" bedeuten für sie, dass sich die Bewohner
wieder besser kennen lernen, sich um einander kümmern und aufpassen,
dass dem anderen nichts passiert; das "Gefühl, nicht allein
zu sein," sollte innerhalb des Wohngebiets entstehen.
Zum erstenmal traten "Nachbarn schützen Nachbarn" mit einem
Fragebogen ins Licht der Öffentlichkeit, in dem sie von den Anwohnern
Im Taubhaus und der angrenzenden Wohngebiete wissen wollten, wo sich diese
aus welchen Gründen unsicher fühlen. Nach Auswertung der Rückläufer
begaben sich Mitglieder der Initiative zusammen mit Vertretern des Ordnungsamtes
auf eine Ortsbegehung. Mängel wurden festgestellt und in der Folgezeit
beseitigt. Gartenbesitzer, deren Sträucher Straßenlaternen
verdeckten, wurden zum Beschnitt aufgefordert, mit der HEAG wurde Kontakt
aufgenommen, damit hellere Lampen in dunklen Ecken installiert werden.
Wie die Umsetzung der Vorschläge zeigte, war die Aktion ein Erfolg.
Im März 2000 wurde eine weitere Gruppe von "Nachbarn schützen
Nachbarn" im Ober-Röder Wohngebiet Breidert gegründet und
dort ebenfalls eine Fragebogenaktion mit ähnlichem Erfolg durchgeführt.
Sowohl im Breidert als auch im Taubhaus stehen seitdem Schilder, die auf
die "Wachsamen Nachbarn" hinweisen.
2001 wurde schließlich ein Verein gegründet, dem sich neben
den beiden Gruppen außerdem die Aktionsgemeinschaft gegen Gewalt
in Rödermark (AgGiR) anschloss. Den Vorstand des neuen Vereins bildeten
Karl Heinz Kratzenstein (Taubhaus), Horst Jäger (Breidert) und Rudolf
Hinrichs von der AgGiR [inzwischen abgelöst durch Erich Feller].
"Die Nachbarschaft muss einfach stimmen", meint Klaus Neumann,
der für die Pressearbeit des Vereins zuständig ist. "Wir
wollen die Leute dafür sensibilisieren, sich wieder richtig kennen
zu lernen und sich um den anderen zu kümmern, auf ihn zu achten."
Matthias Schulze
Der Text ist mit freundlicher Genehmigung der
Chronik „25 Jahre Rödermark“ entnommen, die im August
2002 anlässlich des Stadtjubiläums erschien. Die Chronik ist
für € 9.25 in den Rathäusern erhältlich.
Bürger für Sicherheit in Rödermark e.V.
Der Verein
Mit der Gründung des Vereins wollten die Initiatoren den drei Initiativen
ein „gemeinsames Dach“ geben, die Basis der Aktiven verbreitern
und die Möglichkeiten schaffen, finanziell etwas mehr Spielraum zu
haben (als gemeinnütziger Verein können wir an Sponsoren Spendenbescheinigungen
ausstellen).
Die Ziele aller drei Initiativen werden darüber hinaus nach wie vor
im Präventionsrat der Stadt vertreten.
Der Verein hat zwischenzeitlich 40 persönliche und eine Firma als
Mitglieder und konnte neben den Mitgliedsbeiträgen einige sonstige
Geldzugänge verzeichnen.
Regelmäßige Treffen der Initiativen
Bei den regelmäßigen Treffen der Initiativen „Nachbarn
schützen Nachbarn“ (jeder 2. Mittwoch im Monat im Breidert,
jeder 3. Mittwoch in Urberach) werden aktuelle Themen diskutiert, die
Probleme der Mitbürger angehört und Themen aufgenommen, die
bisher nicht in direktem Zusammenhang mit den Tätigkeiten gesehen
wurden, z. B. in Waldacker das Thema Kampfhunde-verordnung, im Breidert
das Thema vollgelaufene Keller nach den starken Regenfällen. Die
früher von den beiden Initiativen mit Erfolg durchgeführten
Umfragen sollen bei den Bürgern erneuert und ggf. auch in anderen
Wohngebieten durchgeführt werden.
Ringmaster
Im September 2001 wurden Politiker und Mandatsträger vom Verein über
die Vorteile von Ringmaster informiert. Nach anfänglichem Zögern
stimmten die Stadtverordneten der Einführung zu und stellten die
Mittel (etwa 10.000.-- € für die Anschaffung) bereit. Im Juni
2002 wurde das System bei der Polizei in Dietzenbach installiert.
Durch intensive Werbung wurde erreicht, dass sich inzwischen ca. 1.000
Haushalte und Gewerbebetriebe zur Teilnahme bereiterklärt haben.
Die offizielle Inbetriebnahme fand am 2. Dezember durch den Hessischen
Innenminister Volker Bouffier statt.
Die Pressemitteilung aus seinem Amt zu diesem Anlass:
Hessisches Ministerium des Innern und für
Sport, Pressemitteilung 02.12.02
"Erfolgreiches Präventionsmedium gegen Einbruch und betrügerische
Haustürgeschäfte"
Wiesbaden/Rödermark. - Innenminister Volker Bouffier hat der Stadt
Rödermark zur Einrichtung des Telefon-Informations-Systems "Ringmaster"
gratuliert. "Mit dem Einsatz von Ringmaster wird der vorbeugende
Schutz der Bürgerinnen und Bürger in Rödermark vor Kriminalität
deutlich gestärkt", sagte Bouffier bei der Inbetriebnahme des
Systems in der Polizeistation Dietzenbach. Das System ermögliche
der Polizei eine schnelle Information der angeschlossenen Bürger,
beispielsweise vor Einbruchgefahren und betrügerischen Haustürgeschäften.
"Dadurch sind die Bürger vorgewarnt und können entsprechend
reagieren", sagte Bouffier. Rödermark ist nach Bensheim und
Zwingenberg die dritte hessische Kommune mit diesem modernen Präventionssystem.
Minister Volker Bouffier bei der
„Inbetriebnahme per Mausklick“,
links Horst Jaeger, rechts H. Helms,
der die Software installiert hat.
Innenminister Bouffier lobte die Stadt für
ihr Engagement. Mit der Einrichtung des Ringmaster-Systems komme sie ihrer
Verantwortung für die Sicherheit der Bürger und deren Schutz
vor Kriminalität beispielhaft nach, stellte Bouffier fest. Ausdrücklich
bedankte sich der Minister bei der Initiative "Nachbarn schützen
Nachbarn" und dem Verein "Bürger für Sicherheit in
Rödermark". Diese hatten die Idee der Einrichtung eines Ringmaster-System
in Rödermark an die Stadtverwaltung herangetragen und in der Folge
massiv Werbung bei Bürgern und Geschäftsleuten für eine
Teilnahme betrieben. "Bereits beim Start über 1000 angeschlossene
Haushalte und Geschäfte sprechen für den Erfolg dieser beispielhaften
Arbeit", hob Bouffier hervor.
Der Minister betonte, dass sich das Ringmaster-System in der Praxis bisher
bestens bewährt habe. .... Darüber hinaus ergingen über
das Ringmaster-System Warnmeldungen unter anderem vor Trickdieben, Einschleichdieben,
Geldwechsel-Betrügern und Taschendieben.
"Wer gewarnt ist, kann entsprechend vorbeugen", so Innenminister
Bouffier.
Das Ringmaster-System in Rödermark wird von der Stadt Rödermark
getragen und von der Polizei betrieben. Es ist in der Polizeistation Dietzenbach
stationiert.
Die Kosten für die Anschaffung von PC und Software betragen rund
10.000 Euro und werden von der Stadt übernommen.
Das System ermöglicht es der Polizei, Warnmeldungen auf einen Datenträger
zu sprechen. Diese Warnmeldungen werden dann anschließend von dem
System automatisch an die angeschlossenen Teilnehmer gesendet, d.h. die
registrierten Bürger bekommen einen Anruf auf den genannten Telefon-
oder Handy-Anschluss. Für die Bürger entstehen dabei keine Kosten.
Innenminister Bouffier warb abschließend bei bisher unentschlossenen
Bürgerinnen und Bürgern dafür, sich im Ringmaster-System
registrieren zu lassen. "Je mehr Teilnehmer mitmachen, umso größer
ist die Wirkung und auch Abschreckung für Straftäter",
betonte Bouffier.“
Der Verein wird sehr genau verfolgen, wie Polizei
und Ordnungsamt das System nutzen, denn beim Einsatz und der Nutzung kann
nur beobachtet, aber nicht mehr aktiv mitgewirkt werden. Es wird weiterhin
dafür geworben werden, denn der Verein will erreichen, dass sich
möglichst ganz Rödermark beteiligt.
Sind Sie bereits angemeldet?
Übrigens: Die Telefon-Nummer der Polizei lautet (06074) 8370
Mitarbeit im Präventionsrat
Der Verein konnte erreichen, dass der Präventionsrat regelmäßig
tagt. Er befasst sich mit allen Aufgaben der vorbeugenden Abwehr insbesondere
von kriminellen Delikten. Die Aufgaben des Präventionsrates sind
u.a.:
-Vorbeugende Aufklärung in der Bevölkerung
-Kriminelle Tendenzen im Ansatz erkennen und entgegenwirken
-Koordination von Präventionsinitiativen der Polizei, Stadtverwaltung,
Schulen, Pfarrgemeinden und gesellschaftlich relevanten Gruppen
Sicherheitstag
Zusammen mit dem Ordnungsamt wurde im September der 2. Sicherheitstag
in Rödermark, durchgeführt. Mehrere Teilnehmer informierten
dabei über ihre Tätigkeiten zum Thema Sicherheit.
Ziele für die folgenden Jahre
Die bisherige Arbeit wird fortgesetzt. Eine weitere Initiative sollte
möglichst in Waldacker gegründet wird, Interessenten sind vorhanden.
Die Einführung von Ringmaster wird beobachtet und ggf. mit neuen
Werbemaßnahmen unterstützt.
Klaus Neumann
Diesen Bericht stellte uns freundlicherweise Klaus Neumann, der Schriftführer
des Vereins, zur Verfügung.
Kontakt E-Mail:
info@nsn-roedermark.de
Postanschrift:
Rödermärker Initiativen
"Nachbarn schützen Nachbarn"
c/o Rathaus Urberach
63322 Rödermark
Ringmaster – gibt es gar keine Kritik?
In den Veröffentlichungen über Ringmaster in den Zeitungen und
im Internet erfährt man einiges über Ringmaster. Wie funktioniert
das System? Wie kann ich mich anmelden? Wer kann Meldungen auslösen?
Wer entscheidet über deren Weiterleitungen? Allerlei Informatives
ist da zu erfahren, und die möglichen positiven Auswirkungen auf
das Allgemeinwesen in Rödermark werden lobend erwähnt wie z.B
die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger bei der Suche nach Vermissten,
die Warnung der Polizei vor Trickbetrügern oder Einbrechern, der
vorbeugende Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Kriminalität
und eine größere Bürgerorientierung der Polizei. Man erfährt
ausnahmslos Positives. Warum auch nicht? Sind es doch allesamt hohe Ziele,
die mit dem Ringmaster-System verfolgt werden, und es ist auch keine Negativ-Berichterstattung
aus Bensheim und Zwingenberg zu finden, wo Ringmaster schon seit einiger
Zeit läuft. Da ist wirklich zu hoffen, dass diese Ziele durch den
besonnenen Umgang mit Ringmaster auch erreicht werden. Und die erlaubten
Zweifel, ob erhöhte Aufmerksamkeit aufgrund von mehr Information
tatsächlich auch weniger Kriminalität und mehr Sicherheit(sgefühl?)
bedeuten und nicht ein Mehr an Angst und Abkapselung, werden sich hoffentlich
als unbegründet erweisen. Hoffentlich werden diejenigen, die über
die Weiterleitung von Meldungen zu entscheiden haben, nicht von einer
Vielzahl überängstlicher Meldungen abgelenkt und können
in der Eile, die das Ringmaster-System notwendig macht, die richtige Auswahl
treffen und die Meldungen an den richtigen Personenkreis weiter leiten.
Hoffentlich zahlen wir nicht den Preis dieser Bürgerorientierung
mit einem Klima des Misstrauens gegenüber Fremden und Auffälligem.
Denn das könnte zu Überreaktionen führen und die Bürgerinnen
und Bürger dazu veranlassen, sich abzukapseln und in die Isolation
zu begeben.
Dann wäre das schöne Nachbarschaftsbild, das mit Ringmaster
auch verfolgt wird, leider zerstört.
S. Waller
Abschließend:
Für Interessierte:
Die Jahreshauptversammlung des Vereins findet am
Mittwoch, 26. März 2003
im Seniorentreff in Ober-Roden
(ehem. Feuerwehrgebäude) statt.
Dabei besteht die Möglichkeit, mit den Organisatoren über die
Tätigkeiten und Ziele zu diskutieren.
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