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Ausgabe Ausgust/September 2002
Thema: mittendrin, statt ganz nah dran
Besinnung / Die
Mitte
Die Mitte ist meistens ein sehr wichtiger Ort. Die Kirchen wurden
in der Mitte eines Dorfes oder Stadtteiles erbaut. In Hauptstädten
befindet sich das Regierungszentrum gewöhnlich in der Mitte. Und
so ist es auch kein Wunder, dass sich im Garten Eden die wichtigsten Bäume
in der Mitte befinden. So heißt es in 1.Mose 2,9:
Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume,
verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten
im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
Weil die Mitte eine besondere Bedeutung hat, ist es bedauerlich,
dass die Stadt Rödermark keine hat. Eine neue Mitte soll also her
und eine Identität zwischen den Menschen in den verschiedenen Stadtteilen
stiften. Es soll aber keine neue künstliche Stadtmitte erbaut werden,
sondern vielmehr eine grüne Mitte entstehen.
Eine Mitte macht aber nur dann Sinn, wenn sich dort auch wirklich Menschen
begegnen. Eine neue Mitte muss also einladend für alle sein. Ein
Ort, zu dem man gerne hinpilgert. Ein Ort, an dem man gern verweilt. Ein
Ort, der Gelegenheit zur Begegnung etwa durch Feste bietet.
Es wird sicherlich kein leichter Prozess, eine solche Mitte zu schaffen.
Man kann darüber viel streiten und zanken, wie es ja auch bei der
neuen Urberacher Mitte, der Kulturscheune, geschehen ist und noch immer
geschieht.
Und das schlimmste wäre doch: Die neue Mitte würde dann der
Ort des Streites und der Entzweiung werden. Wie es auch in der Mitte des
Paradieses der Fall ist. An diesem Ort nimmt schließlich die verhängnisvolle
Geschichte der Entzweiung zwischen Mensch und Gott seinen Lauf. Das Kosten
der Früchte des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen in
der Mitte wird schließlich zum Anlass der Vertreibung aus dem Paradies.
Hoffentlich wiederholt sich diese Geschichte also nicht. Zu wünschen
wäre vielmehr, dass die neue Mitte ein Stückchen Paradies auf
Erden wird: Ein Ort zum Verweilen und ein Ort der Geselligkeit. Ein solcher
Ort wäre auch hervorragend dafür geeignet, um stadtteil- und
konfessionsübergreifende Gottesdienste zu feiern. An einem solchen
Ort ließe sich also besonders gut die Gegenwart dessen feiern, der
gern in unsere Mitte kommt, wie Jesus im Matthäusevangelium sagt:
Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten
unter ihnen. (Matthäus 18,20)
Pfarrer Frank Fuchs
Zur Mitte finden
Überlegungen zur Gestaltung eines städtischen Mittelpunktes
Wie und wo finden Menschen ihren eigenen Mittelpunkt?
Wie und wo liegt die Mitte des Lebens?
Das sind sehr grundsätzliche Fragen, die etwas damit zu tun haben,
wie wir unseren Lebensraum, wie wir unsere Stadt gestalten. Schon die
Fragestellung deutet an, dass diese Frage eine religiöse ist.
Zum 25 jährigen Bestehen hat die Stadt eine Leitbildstudie in Auftrag
gegeben, die ein Defizit in der Stadtentwicklung Rödermarks bemängelt,
nämlich das Fehlen eines städtischen Mittelpunktes. Seither
wird in den städtischen Gremien darüber diskutiert, wie man
denn einen solchen herstellen könne.
Rein geographisch ist die Stadtmitte - deshalb auch der ungewöhnliche
Ort für das Stadtfest - auf der grünen Wiese zwischen Urberach,
Ober-Roden, Waldacker und Messenhausen am Rödermarkring gelegen.
Und bebauen will man diese Region ja eigentlich auch nicht, da sie die
Frischluftzufuhr für die Orte gewährleistet und gerade die Grünflächen
zwischen und rund um die Stadt ihre Besonderheit ausmacht.
| Also geht es um eine grüne Mitte. Wenn
sie aber eine wirkliche Mitte werden soll, mit der sich die Rödermärker
identifizieren können, dann wird man daraus einen besonderen
Identifikationspunkt machen müssen. Einen Ort, in dem alle Dimensionen
des Lebens eine Rolle spielen. Dazu gehört, dass er neben der
gesellschaftlichen Funktion als Ort des Treffpunktes, der Gemeinschaft
und Geselligkeit auch eine Dimension von Spiritualität haben
sollte, an dem man sich auf die Mitte des Lebens, des persönlichen
wie des Gemeinwesens besinnen kann. |
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Prof. Schallmayer hat in seinem Festvortrag in
Anlehnung an den Kasseler Stadt- und Landschaftsplaner Detlev Ipsen einen
"poetischen Ort" als Mitte gefordert. Ein Ort mit Ausstrahlung
müsse da entstehen, schlägt Schallmayer vor.
Früher hat man in die Mitte eines Ortes eine Kirche gebaut, um das
auszudrücken. Und bis heute ist doch wohl die Frage nach der Mitte
des Lebens eine zutiefst religiöse Frage.
Eine neue Mitte könnte Raum bieten, darüber ins Nachdenken zu
kommen, würde sich auch spirituell, nachdenklich darbieten. Eine
Herausforderung für eine künstlerisch-poetische Gestaltung.
Schallmayer hat darauf hingewiesen, dass dies die Stadt auch Geld kostet,
ohne einen unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen zu haben.
Ein solcher Ort könnte und sollte auch von den Kirchen genutzt und
bevölkert werden. Eine Chance für eine ökumenische christliche
Mitte für die Stadt. Ein christliches Angebot an die Menschen in
dieser Stadt, zur eigenen Mitte zu finden und das Wohl des Gemeinwesens
darauf zu beziehen. Christen können jedenfalls bei der Gestaltung
der Mitte des Lebens mitreden, sicher auch, wenn es um eine städteplanerische
Frage geht.
Pfarrer Matthias Welsch

Mittendrin statt ganz nah dran?
Pro und Contra
... natürlich ...
das neue Logo
- warum ich dafür bin!
Mir als Protestanten -
Mir als Zugezogener -
mir gefällt das neue Logo der Stadt Rödermark -
ja, tatsächlich!
Ich finde, es drückt aus, was Rödermark
ist, es zeigt an, wo es liegt, es zeigt auch an, wohin die Mehrzahl
der Menschen orientiert ist.
Ich fühle mich wahrgenommen als einer
der vielen neu hierher Gezogenen, die Rödermark zu dem machen,
was es heute ist. Es zeigt an, dass hier ein modernes Gemeinwesen
entstanden ist, das zwar Bezug zur Vergangenheit hat, das sich aber
in den vergangenen 25 Jahren drastischer verändert hat, als
das viele Alteingesessene wahrhaben wollen.
Rödermark besteht doch in der Mehrheit
seiner Einwohner aus Menschen, die in den vergangenen 25 Jahren
erst hierher gezogen sind und die sich nicht über den Nachnamen
mit ihrem Wohnort identifizieren. Sie identifizieren sich mit Rödermark,
weil sie einen Ort gefunden haben mitten im Rhein-Main
Gebiet, in dem es sich angenehm außerhalb einer Großstadt
leben lässt.
Mit wenig Lärm, mit viel Grün
und Naherholung, mit hervorragender Luft und mit guter Verkehrsanbindung
gerade nach Frankfurt, wo die meisten der Neu-Rödermärker
arbeiten und eine nicht zu unterschätzende Zahl herkommen. Und
sie bringen sich in diesem Gemeinwesen - manchmal auch trotz und gegen
die Vorbehalte der Alteingesessenen - ein; sie versuchen sogar gelegentlich
hier einzukaufen, auch wenn einem das der alteingesessene Einzelhandel
nicht immer leicht macht.
Das gilt im Besonderen übrigens für
die evangelische Wohnbevölkerung. Denn mit dem Entstehen der
Stadt Rödermark ist auch die Anzahl der Evangelischen erheblich
gewachsen. Immerhin sind 2685 evangelische Gemeindeglieder von 3600
insgesamt erst in dieser Zeit hierher gezogen. Die Neubürger
bezeichnen sich in der Mehrzahl als Rödermärker, und das
repräsentiert das Votum der Mehrheit. Es ist erfreulich, dass
die Stadt diese neue Dimension der Entwicklung der vergangenen 25
Jahre in ihrem Leitbild aufgreift. Und das Gejammere der Altvorderen,
wir würden mit der Frankfurtsilhouette im Hintergrund zum Vorort
Frankfurts gemacht, verkennt das Lebensgefühl der Mehrheit
der Rödermärker. Die empfinden gerade das eher als Aufwertung
der Stadt. Und fühlen sich in ihrer persönlichen Bezogenheit
auf Frankfurt (die auch mir nicht abgeht) ernst genommen.
Matthias Welsch (als Bürger dieser
Stadt)
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... ganz nah dran ...
das neue Logo
- warum ich NICHT dafür bin!
Um es vorweg zu nehmen, auch ich bin Zugezogener,
vor 29 Jahren - aus Frankfurt! Ich habe in diesen 29 Jahren auch
schon einiges erlebt in Ober-Roden - und später "natürlich"
in Rödermark.
Natürlich - das ist o.k. Wobei einem
bei einem Spaziergang durch unsere Gemarkung bei "natürlich"
einige Zweifel kommen. Aber man tut sein Bestes in Rödermark.
Ganz nah dran - Woran? An der Natürlichkeit? An Frankfurt?
An beidem? - Am Spagat zwischen Natürlichkeit und Großstadt?
Ganz nah dran - kann das auch heißen "haarscharf daneben"?
- Haarscharf neben was? Neben der Natürlichkeit? Neben Frankfurt?
- Gelingt der Spagat?
Das neue Logo. Es gefällt auch mir, um das klarzustellen. Frisch,
be-schwingt. Die Hügel mit ihrer Symbolik, die fünf Blätter
mit ihrer Symbolik. Dann die Silhouette der Wolkenkratzer im Stadtlogo
von Rödermark? Was haben denn die da zu suchen? Gibt es
in Rödermark solche Bauten? -
Nein, das ist Frankfurt.
Mein erster Gedanke: "Was soll das denn, sind wir hier nicht
zur bloßen Funktion des Vorortes und der Verwahranstalt von
Bankangestellten degradiert?"
Auch meine weiteren Gedanken kommen davon nicht entscheidend weit
weg. Wir sind degradiert. Nicht ganz Odenwald, aber "ganz nah
dran" - und nicht ganz (Groß)Stadt, aber auch hier "ganz
nah dran". Ohne dass die "beiden Orte" (Entschuldigung
Waldacker, Messenhausen und Bulau) Ober-Roden und Urberach in 25
Jahren genug eigene "Rödermark"-Identität entwickelt
hätten, die es Wert gewesen wäre, in einem neuen selbstbewussten
Logo darzustellen. Schade eigentlich.
Es hätte ein Logo sein können,
das Rödermark Identität gibt. - So wird sie Rödermark
genommen.
Stefan Waller (als Bürger der
Stadt)
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